Wiedergeburt Europas dank Zöllen?
26.08.25 10:48
Janus Henderson Investors
London (www.aktiencheck.de) - Der Sommer 2025 war bislang von erheblichen Ausschlägen an den Aktienmärkten geprägt, die sich in einer deutlichen Rotation auf Sektorebene und bei den Favoriten mit Gegenmomentum widerspiegelten Robert Schramm-Fuchs, Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.
Angesichts der Zollunsicherheit lasse sich dies leicht auf den "Trump-Faktor" zurückführen. Allerdings: Dieses Marktverhalten sei in den letzten fünf Jahren ein fester Bestandteil jedes Julis gewesen.
2024 sei es zu einer deutlichen Umschichtung von Mega-Cap-Technologiewerten hin zu Small-Cap-Titeln gekommen - unterstützt durch günstige US-Inflationszahlen und protektionistische Rhetorik. 2023 hätten Befürchtungen über eine hohe Inflation und steigende Zinsen für eine risikoscheuere Haltung gesorgt. Dies habe zu einer Umschichtung in größere Unternehmen geführt, die eher als sicherer Hafen wahrgenommen worden seien.
Zwar sei noch nicht klar, was genau die "große Börsenrotation" im Juli 2025 ausgelöst habe, doch ähnlich wie bei den alljährlichen Umsätzen zum Jahreswechsel (dem "Januar-Effekt") könnte man meinen, dass dieses Phänomen mittlerweile so regelmäßig auftrete, dass sich eine Berücksichtigung künftig lohnen könnte. Und wie in den Vorjahren seien im August die zuvor dominierenden Themen wieder aufgenommen worden.
Selbst unvollkommene Deals könnten Nerven beruhigen
Der europäische Bullenmarkt bei Aktien dürfte sich nach wie vor langsam ausweiten. Trotz Bedenken über die konkreten Bedingungen des geplanten Handelsabkommens zwischen den USA und der EU werde dadurch die Unsicherheit "einigen sie sich oder doch nicht" ausgeräumt, die die Anlegerstimmung belastet und sich in einer erhöhten Volatilität an den Aktienmärkten widergespiegelt habe.
Über einige Details der Vereinbarung bestünden weiterhin Meinungsverschiedenheiten. Beide Seiten hätten widersprüchliche Erklärungen abgegeben und die Europäische Kommission bezeichne sie als "Fahrplan" für weitere Verhandlungen und Ausarbeitungen. Auch wenn es sich nicht um ein unterzeichnetes Handelsabkommen handele, habe es doch die Gefahr höherer Zölle abgewendet und damit für beide Seiten wichtige Branchen beruhigt.
Zwar sei eine Zollobergrenze von 15% für die meisten europäischen Exporte, darunter auch Arzneimittel, festgelegt worden, die angeblich von US-amerikanischen Importeuren bezahlt würden, doch sei dies ein niedrigerer Zollsatz als die ursprünglich angedrohten 30%. Dies scheine für die europäische Wirtschaft insgesamt akzeptabel zu sein und Janus Henderson Investors gehe davon aus, dass die Investoren auf dieser Grundlage aufbauen würden.
Weitere dovishe Indikatoren
Die Fortschritte bei der Deregulierung sehe Janus Henderson Investors als positiven Indikator für ganz Europa und die USA. Trotz der Zurückhaltung einiger wichtiger Regulierungsbehörden in der EU gehe man davon aus, dass die Finanzdienstleistungskommission und die Europäische Zentralbank die Regulierung und die Kapitalanforderungen für EU-Banken lockern dürften. Dies stehe im Einklang mit den Aussagen der US-Notenbank (FED), die Ende Juli ihre "Integrated Review of the Capital Framework for Large Banks Conference" (Konferenz zur integrierten Überprüfung des Kapitalrahmens für Großbanken) veranstaltet habe.
Die FED habe sich bislang dem Druck von US-Präsident Trump, die Zinsen zu senken, widersetzt und halte an ihrem doppelten Mandat der maximalen Beschäftigung und Preisstabilität fest. Die jüngste Schwäche des US-Arbeitsmarktes habe die Lage geändert und die Aussichten auf Zinssenkungen im weiteren Jahresverlauf 2025 erhöht. Die wahrscheinliche Ernennung eines eher dovishen Kandidaten für die kürzlich frei gewordene Stelle im Gouverneursrat der FED deute auf eine Unterstützung einer künftig akkommodierenderen Geldpolitik hin. Angesichts der bereits recht akkommodierenden globalen Finanzbedingungen dürften die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2025 und Anfang 2026 an Fahrt gewinnen.
"Big and beautiful"
Die Strategie der weltweit größten Volkswirtschaften 2025 schienen fiskalische Konjunkturpakete zu sein, vom "Big Beautiful Bill" in den USA bis hin zu Chinas verstärkten Konjunkturmaßnahmen zum Ausbau der Infrastruktur, zur Ankurbelung des Konsums und zur Rekapitalisierung der Banken. Diese auf den Binnenmarkt ausgerichteten Strategien würden auf dem anhaltenden Trend zur Rückverlagerung und Onshoring aufbauen.
In Europa sei Deutschlands wenig inspirierend benannter, aber zweifellos bedeutender "Sonderfonds für Infrastruktur und Klimaneutralität" ein 500 Milliarden Euro schwerer, auf zwölf Jahre angelegter Investitionsplan, der darauf abziele, die Schuldenbremse des Landes zu umgehen. Im Juli sei außerdem "Made for Germany" ins Leben gerufen worden, eine dreijährige branchenübergreifende Investitionszusage in Höhe von 631 Milliarden Euro, an der sich 61 führende Unternehmen und Investoren in Deutschland beteiligen würden. Diese Summe umfasse geplante und neue Kapitalinvestitionen, Forschungs- und Entwicklungsausgaben sowie Beiträge internationaler Investoren. Janus Henderson Investors werte Investitionen in dieser Größenordnung als ermutigendes Zeichen für das erneute Engagement Deutschlands, einige der drängendsten Probleme Europas anzugehen.
Kein gänzlich wolkenloser Himmel - aber vielversprechend
August und September seien in der Regel saisonal schwache Monate an den Märkten. Janus Henderson Investors wisse, dass weitere Verhandlungen über Zölle zu weiterer Rotation und Volatilität führen könnten. Die Wachstumsprognosen für 2025 seien gegenüber Jahresanfang nach unten korrigiert worden - Handelskonflikte würden unweigerlich zu Störungen der globalen Lieferketten führen. Der April, als US-Präsident Trump erstmals seinen Zollplan angekündigt habe, scheine jedoch den Tiefpunkt markiert zu haben. Seitdem habe der Internationale Währungsfonds (IWF) seine globalen Prognosen nach oben korrigiert.
Über diese kurzfristigen Beobachtungen hinaus halte Janus Henderson Investors das Umfeld für die europäischen Volkswirtschaften für günstiger als in den letzten Jahren. Dies dürfte sich positiv auf die Konjunktur auswirken. Zweifellos brauche es mehr Zeit für echte Strukturreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken und Investitionen von Unternehmen und Regierungen zu mobilisieren. Europa habe eine hohe Sparquote und die Verlagerung eines höheren Prozentsatzes der überschüssigen Ersparnisse von Bargeld/Sichteinlagen in produktivere Anlageformen könnte für Wirtschaft und Aktienmärkte von großem Nutzen sein. In diesem Sinne sei das Ausmaß der laufenden Initiativen in verschiedenen Bereichen - wie die Lockerung der Finanzregulierung, die Kapitalmarktunion und der Abbau der allgemeinen Bürokratie - ermutigend. (26.08.2025/ac/a/m)
Angesichts der Zollunsicherheit lasse sich dies leicht auf den "Trump-Faktor" zurückführen. Allerdings: Dieses Marktverhalten sei in den letzten fünf Jahren ein fester Bestandteil jedes Julis gewesen.
2024 sei es zu einer deutlichen Umschichtung von Mega-Cap-Technologiewerten hin zu Small-Cap-Titeln gekommen - unterstützt durch günstige US-Inflationszahlen und protektionistische Rhetorik. 2023 hätten Befürchtungen über eine hohe Inflation und steigende Zinsen für eine risikoscheuere Haltung gesorgt. Dies habe zu einer Umschichtung in größere Unternehmen geführt, die eher als sicherer Hafen wahrgenommen worden seien.
Zwar sei noch nicht klar, was genau die "große Börsenrotation" im Juli 2025 ausgelöst habe, doch ähnlich wie bei den alljährlichen Umsätzen zum Jahreswechsel (dem "Januar-Effekt") könnte man meinen, dass dieses Phänomen mittlerweile so regelmäßig auftrete, dass sich eine Berücksichtigung künftig lohnen könnte. Und wie in den Vorjahren seien im August die zuvor dominierenden Themen wieder aufgenommen worden.
Selbst unvollkommene Deals könnten Nerven beruhigen
Der europäische Bullenmarkt bei Aktien dürfte sich nach wie vor langsam ausweiten. Trotz Bedenken über die konkreten Bedingungen des geplanten Handelsabkommens zwischen den USA und der EU werde dadurch die Unsicherheit "einigen sie sich oder doch nicht" ausgeräumt, die die Anlegerstimmung belastet und sich in einer erhöhten Volatilität an den Aktienmärkten widergespiegelt habe.
Über einige Details der Vereinbarung bestünden weiterhin Meinungsverschiedenheiten. Beide Seiten hätten widersprüchliche Erklärungen abgegeben und die Europäische Kommission bezeichne sie als "Fahrplan" für weitere Verhandlungen und Ausarbeitungen. Auch wenn es sich nicht um ein unterzeichnetes Handelsabkommen handele, habe es doch die Gefahr höherer Zölle abgewendet und damit für beide Seiten wichtige Branchen beruhigt.
Zwar sei eine Zollobergrenze von 15% für die meisten europäischen Exporte, darunter auch Arzneimittel, festgelegt worden, die angeblich von US-amerikanischen Importeuren bezahlt würden, doch sei dies ein niedrigerer Zollsatz als die ursprünglich angedrohten 30%. Dies scheine für die europäische Wirtschaft insgesamt akzeptabel zu sein und Janus Henderson Investors gehe davon aus, dass die Investoren auf dieser Grundlage aufbauen würden.
Die Fortschritte bei der Deregulierung sehe Janus Henderson Investors als positiven Indikator für ganz Europa und die USA. Trotz der Zurückhaltung einiger wichtiger Regulierungsbehörden in der EU gehe man davon aus, dass die Finanzdienstleistungskommission und die Europäische Zentralbank die Regulierung und die Kapitalanforderungen für EU-Banken lockern dürften. Dies stehe im Einklang mit den Aussagen der US-Notenbank (FED), die Ende Juli ihre "Integrated Review of the Capital Framework for Large Banks Conference" (Konferenz zur integrierten Überprüfung des Kapitalrahmens für Großbanken) veranstaltet habe.
Die FED habe sich bislang dem Druck von US-Präsident Trump, die Zinsen zu senken, widersetzt und halte an ihrem doppelten Mandat der maximalen Beschäftigung und Preisstabilität fest. Die jüngste Schwäche des US-Arbeitsmarktes habe die Lage geändert und die Aussichten auf Zinssenkungen im weiteren Jahresverlauf 2025 erhöht. Die wahrscheinliche Ernennung eines eher dovishen Kandidaten für die kürzlich frei gewordene Stelle im Gouverneursrat der FED deute auf eine Unterstützung einer künftig akkommodierenderen Geldpolitik hin. Angesichts der bereits recht akkommodierenden globalen Finanzbedingungen dürften die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2025 und Anfang 2026 an Fahrt gewinnen.
"Big and beautiful"
Die Strategie der weltweit größten Volkswirtschaften 2025 schienen fiskalische Konjunkturpakete zu sein, vom "Big Beautiful Bill" in den USA bis hin zu Chinas verstärkten Konjunkturmaßnahmen zum Ausbau der Infrastruktur, zur Ankurbelung des Konsums und zur Rekapitalisierung der Banken. Diese auf den Binnenmarkt ausgerichteten Strategien würden auf dem anhaltenden Trend zur Rückverlagerung und Onshoring aufbauen.
In Europa sei Deutschlands wenig inspirierend benannter, aber zweifellos bedeutender "Sonderfonds für Infrastruktur und Klimaneutralität" ein 500 Milliarden Euro schwerer, auf zwölf Jahre angelegter Investitionsplan, der darauf abziele, die Schuldenbremse des Landes zu umgehen. Im Juli sei außerdem "Made for Germany" ins Leben gerufen worden, eine dreijährige branchenübergreifende Investitionszusage in Höhe von 631 Milliarden Euro, an der sich 61 führende Unternehmen und Investoren in Deutschland beteiligen würden. Diese Summe umfasse geplante und neue Kapitalinvestitionen, Forschungs- und Entwicklungsausgaben sowie Beiträge internationaler Investoren. Janus Henderson Investors werte Investitionen in dieser Größenordnung als ermutigendes Zeichen für das erneute Engagement Deutschlands, einige der drängendsten Probleme Europas anzugehen.
Kein gänzlich wolkenloser Himmel - aber vielversprechend
August und September seien in der Regel saisonal schwache Monate an den Märkten. Janus Henderson Investors wisse, dass weitere Verhandlungen über Zölle zu weiterer Rotation und Volatilität führen könnten. Die Wachstumsprognosen für 2025 seien gegenüber Jahresanfang nach unten korrigiert worden - Handelskonflikte würden unweigerlich zu Störungen der globalen Lieferketten führen. Der April, als US-Präsident Trump erstmals seinen Zollplan angekündigt habe, scheine jedoch den Tiefpunkt markiert zu haben. Seitdem habe der Internationale Währungsfonds (IWF) seine globalen Prognosen nach oben korrigiert.
Über diese kurzfristigen Beobachtungen hinaus halte Janus Henderson Investors das Umfeld für die europäischen Volkswirtschaften für günstiger als in den letzten Jahren. Dies dürfte sich positiv auf die Konjunktur auswirken. Zweifellos brauche es mehr Zeit für echte Strukturreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken und Investitionen von Unternehmen und Regierungen zu mobilisieren. Europa habe eine hohe Sparquote und die Verlagerung eines höheren Prozentsatzes der überschüssigen Ersparnisse von Bargeld/Sichteinlagen in produktivere Anlageformen könnte für Wirtschaft und Aktienmärkte von großem Nutzen sein. In diesem Sinne sei das Ausmaß der laufenden Initiativen in verschiedenen Bereichen - wie die Lockerung der Finanzregulierung, die Kapitalmarktunion und der Abbau der allgemeinen Bürokratie - ermutigend. (26.08.2025/ac/a/m)
