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So, 26. April 2026, 17:47 Uhr

US-Zollpolitik: Trump macht ernst - oder doch nicht?


04.02.25 11:10
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - US-Präsident Trump hat offensichtlich eine klare Vorgehensweise, um die seiner Meinung nach ungerechte Behandlung der USA im Handel mit seinen Partnern zu beenden: Mit Zöllen wird nicht nur gedroht, sie werden erst einmal ohne weitere Verhandlungen oder Ankündigungen eingeführt, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Mit Tatsachen konfrontiert, würden die Gegner - von befreundeten Staaten könne angesichts dieser Methode keine Rede mehr sein - schon zu Zugeständnissen bereit sein, so sein vermutliches Kalkül. Im Falle Mexikos, das rund 80 Prozent seiner Exporte an den nördlichen Nachbarn liefere, scheine es geklappt zu haben. Neben der Ankündigung von Gegenzöllen habe die mexikanische Präsidentin die militärische Präsenz an der US-Grenze verstärken lassen, um den Drogenhandel einzudämmen. Die Reaktion aus Washington sei prompt gekommen: ein Aufschub der Zollerhebung um einen Monat, um zu verhandeln. Auch die Zölle gegenüber Kanada seien mittlerweile aufgeschoben worden, um Zeit für Gespräche zu gewinnen. Das seien aus unserer Sicht die wichtigsten Folgen der Zoll-Strategie von US-Präsident Trump:

Zölle führen zu höheren Preisen: Es bleibe dabei, dass eine drastische Eskalation des Handelskriegs, vor allem mit den wichtigsten US-Handelspartnern Mexiko, Kanada und China sowie den Staaten der EU, nicht ohne erhebliche negative Rückwirkungen auf Verbraucher und Unternehmen in den USA bleiben werde. Vor allem würden Zölle direkte Preisanhebungen von Produkten in den USA bedeuten. Um das zu verhindern, müssten die Produzenten aus dem Ausland in gleich großer Höhe ihre Absatzpreise senken, was angesichts der Höhe der Abgaben kaum realistisch sei. Auch sei es schwer vorstellbar, dass andere ausländische Zulieferer, die - noch - nicht von Zöllen betroffen seien oder einheimische Unternehmen als Hersteller für die verteuerten Importe einspringen könnten. Aber auch in diesem Fall wären Preissteigerungen wahrscheinlich, da ein sinkendes Angebot auf eine gleichbleibende Nachfrage treffen würde.

Inflationsgefahr in den USA: Hohe Zölle würden aber auch über steigende Produktionskosten die Preise treiben. So würden zum Beispiel über die Grenze nach Mexiko viele Vorprodukte der Automobilindustrie im Zuge des Produktionsprozesses mehrfach transportiert werden. Der bürokratische Aufwand einer Zolleinführung nähme deutlich zu. Die verglichen mit Europa ohnehin noch höhere Inflation in den USA würde steigen und damit den empfindlichsten Nerv vieler Menschen in den USA treffen. Denn Umfragen vor der Präsidentschaftswahl im November würden eindeutig belegen, dass die hohe Inflationsrate noch vor der Migration das wichtigste Thema für die Wählerinnen und Wähler war. Trump habe die Schuld an den stark erhöhten Teuerungsraten seit 2021 immer wieder bei Joe Biden und Kamala Harris platziert. Würden die Zölle zu dem erwarteten Preisschub führen, würde ein Anstieg der Inflation folgerichtig Trump angelastet werden und zu einem schnellen Stimmungsumschwung führen.

Mögliche Turbulenzen an den Kapitalmärkten: Dass er sich einer möglichen inflationären Entwicklung bewusst sei, zeige sein jüngster Appell, die entstehenden Unannehmlichkeiten durchzuhalten, weil sie letztlich dem großen Ziel eines stärkeren Amerika dienen würden. Es dürfte in den kommenden Jahren ähnlich erratisch bleiben, wie seit dem 20. Januar, der Amtseinführung Trumps, und damit auch immer wieder zu zwischenzeitlichen Turbulenzen an den Kapitalmärkten kommen. Ein ideologisch verblendetes Rennen ins Verderben sei allerdings unwahrscheinlich. Ein wichtiger Grund dafür sei, dass Trumps engster Regierungs- und Beraterkreis sehr an einer stabilen Wirtschaft interessiert sein dürfte. Europa sollte sich somit wappnen und darauf einstellen, neben protektionistischen Gegenmaßnahmen Deals zu ermöglichen, beispielsweise über den verstärkten Einkauf von Energie- oder Rüstungsgütern in den USA. (04.02.2025/ac/a/m)