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Mo, 20. April 2026, 23:21 Uhr

Smarte Robotic als Lebensretter


21.06.24 17:35
AllianceBernstein

London (www.aktiencheck.de) - Roboter, die selbstständig operieren - das hört sich erstmal nach Science-Fiction an. Dabei können KI(Künstliche Intelligenz)-Systeme bereits heute Prozesse im Operationssaal optimieren und Risiken minimieren. Welche Unternehmen mithilfe von Robotik und künstlicher Intelligenz den Markt verändern könnten und wo sich für Investoren Chancen auftun, erklärt Healthcare-Experte Vinay Thapar, Portfolio Manager - Global Healthcare AllianceBernstein.

KI und Robotik hätten das Potenzial, die Medizin in verschiedensten Bereichen zu revolutionieren - von chirurgischen Eingriffen über die automatisierte Versorgung von Verbrauchsmaterialien bis hin zur optimalen Desinfektion etwa von OP-Besteck und Räumen. Damit helfe die Technologie auch, eine der dringendsten Herausforderungen im Gesundheitsbereich anzugehen: Sie ermögliche es den medizinischen Fachkräften, sich auf die Betreuung und Pflege der Patienten zu konzentrieren und entschärfe damit den Mangel an Pflegepersonal, von dem bereits heute viele Kliniken betroffen seien.

Besonders eindrucksvoll würden sich die Potenziale der Technologie jedoch in den Operationssälen selbst zeigen: Die "da Vinci-Systeme" von Intuitive Surgical (ISIN US46120E6023/ WKN 888024) würden beispielsweise schon seit vielen Jahren robotergestützte Operationen durchführen - präziser als es menschliche Hände jemals könnten.

Die Vielzahl zusätzlicher Daten, die bei der robotergestützten Chirurgie gewonnen würden, würden wiederum mithilfe von KI ausgewertet und dem durchführenden Chirurgen nahezu in Echtzeit zur Verfügung gestellt. So erhalte dieser ein ganzheitliches Bild, auf dessen Basis er schnellere und bessere Entscheidungen treffen könne. Und auch das System an sich lerne ständig dazu: Durch die systematische KI-gestützte Analyse und Auswertung der Daten aus mittlerweile über 10 Millionen durchgeführten Eingriffen könne der Hersteller die Leistung seiner OP-Systeme noch einmal deutlich verbessern und um neue Anwendungsfälle erweitern.

Intuitive Surgical stelle mittlerweile chirurgische Robotersysteme her, die bei minimalinvasiven Eingriffen in Bereichen wie Urologie und Gynäkologie eingesetzt würden. Solche Systeme könnten die Ergebnisse für die Patienten deutlich verbessern, etwa indem sie das Risiko von Komplikationen verringern, Schmerzen und Narbenbildung minimieren und die Rekonvaleszenz verkürzen. Damit würden sie auch die medizinischen Folgekosten senken und potenziell sogar die Aufenthaltsdauer in der Klinik verkürzen, sodass der Einsatz nicht nur den einzelnen Patienten, sondern dem gesamten Gesundheitssystem zugutekomme.

Neben dem medizinischen Eingriff selbst könne KI jedoch auch bereits bei Diagnose und Behandlungsplanung deutliche Vorteile bringen. So würden KI-Algorithmen etwa bereits genutzt, um Bilder wie Röntgenaufnahmen zu analysieren, um zum Beispiel Tumore mit größerer Genauigkeit zu erkennen. Wie das aussehen könnte, zeige ein gemeinsames Projekt von Northwestern Medicine und Google: Lungenkrebs fordere jedes Jahr mehr als zwei Millionen Menschenleben und sei damit eine der häufigsten Todesursachen auf der Erde.

Um das zu ändern, hätten Forscher der beiden Unternehmen gemeinsam ein KI-Modell entwickelt, das Lungenkrebs anhand von CT-Scans schneller identifizieren könne. In Screening-Tests sei das KI-Modell bei der Erkennung von Krebs teilweise sogar besser als menschlicher Radiologen gewesen. Eine solche KI-gestützte Diagnostik sei nicht nur gut für die Betroffenen, denn ein früher erkannter Krebs könne meist erfolgreicher behandelt werden. Auch in diesem Fall könne die Automatisierung personelle Engpässe vermeiden und die Effizienz im Labor oder Krankenhaus deutlich steigern.

Ein weiteres Unternehmen, das KI zur Verbesserung der medizinischen Behandlung einsetze, sei Align (ISIN US0162551016/ WKN 590375). Das Unternehmen stelle Invisalign-Systeme her, mit denen sich Zähne ohne herkömmliche Zahnspangen würden begradigen lassen. Align helfe Kieferorthopäden und Zahnärzten bei der Optimierung der Behandlungsplanung durch eine Softwareplattform, die KI-Algorithmen verwende, um ein 3D-Modell der Zähne von Patienten zu erstellen.

Die Software ermögliche es Ärzten, für jeden Patienten einen maßgeschneiderten, individuellen Behandlungsplan zu erstellen. Dabei würden Faktoren wie das Alter des Patienten, der Schweregrad seines Falls und die entsprechenden Behandlungsziele berücksichtigt. Align nutze künstliche Intelligenz auch für die Optimierung des eigenen Herstellungsprozesses, was wiederum zu einer besseren Rentabilität des Unternehmens führe.

Die genannten Beispiele würden zeigen, dass die KI in Zukunft eine immer wichtigere Rolle bei medizinischen Verfahren spielen werde. Robotergestützte Verfahren würden sich in Zukunft bei immer komplexeren Operationen einsetzen lassen. Was vor einigen Jahren noch utopisch erschien, sei dank KI in der Realität des OPs längst angekommen - das sei gut für Patienten, die Gesundheitssysteme und nicht zuletzt für Investoren.

KI und Robotik würden in den kommenden Jahren deutliche Wachstumspotenziale schaffen, von denen insbesondere Anleger profitieren könnten, die sich nicht auf kurzfristige Trends, sondern auf solide Fundamentaldaten konzentrieren würden. Unternehmen, die mit ihren Geschäftsmodellen die aktuellen Herausforderungen der Gesundheitssysteme angehen würden, hätten gute Chancen, langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. (21.06.2024/ac/a/m)





 
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