Marktkommentar: Ein Zollkrieg hat keine Gewinner
08.04.25 10:03
Weberbank
Berlin (www.aktiencheck.de) - Der "Tag der Befreiung", den der amtierende US-Präsident am vergangenen Mittwoch ausrief, hat jetzt schon einen Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher, so Daniel Schär, CFA bei der Weberbank, in der aktuellen Ausgabe von "Finanzmarkt aktuell".
Mit einem regelrechten Feuerwerk an neuen Zöllen auf US-Importe aus der gesamten Welt sollten die internationalen Handelsströme neu adjustiert werden. Die Kapitalmärkte hätten mit deutlichen Kursrückgängen auf die gestiegene Unsicherheit reagiert.
Bereits in der ersten Amtsperiode von Donald Trump seien Zölle sein Lieblingsinstrument in der Handelspolitik gewesen. Im Wahlkampf des letzten Jahres und auch seit seiner Amtseinführung wiederhole er mantraartig seine Liebe zu Zöllen. Am 2. April habe er nun zum Rundumschlag gegen, aus seiner Sicht, unfaire Handelspraktiken ausgeholt und habe Zölle auf US-Importe nahezu aller Handelspartner verhängt. Weniger die Implementierung als die Höhe der Zölle habe schockiert. Ein nicht verhandelbarer Universalzoll von 10 Prozent auf alle Importe und zusätzliche länder- und sektorabhängige Zölle ließen den Durchschnittszollsatz auf über 20 Prozent hochschnellen. Das sei circa eine Verzehnfachung gegenüber dem Jahr 2024 und der höchste Satz seit einem Jahrhundert gewesen. Vor allem China stehe im Mittelpunkt des Politikwechsels. Für die globalisierte Welt sei es insgesamt ein sehr herber Schlag, wenn die größte Volkswirtschaft der Welt sich abschotte und sich vom freien Welthandel verabschiede.
Die Folgen seien schwer auszumachen, da sie von der Dauer und Höhe der implementierten Zölle und möglichen Gegenmaßnahmen der Handelspartner abhängen würden. Grundsätzlich gebe es keine Gewinner in einem Handelskrieg. Betrachte man die Zölle ohne Gegenzölle, so wären die USA am stärksten betroffen. Das Konjunkturbild von Schär habe sich folglich für die USA mit Blick auf dieses Jahr deutlich verändert. Schär gehe nun von einer leichten Rezession in den USA aus, da die Konsumenten ein Preisschock erwarte und diese ihren Konsum deutlich reduzieren würden. US-Unternehmen sollten in dieser Unsicherheitsphase Investitionen stärker zurückstellen.
Europa werde maßgeblich im Exportgeschäft unter Druck gesetzt. Auch hier erwarte Schär eine Konjunkturabschwächung, allerdings moderater im Vergleich zu den USA. Das liege daran, dass in Europa nur die Exporte in die USA betroffen seien. Die Inflation in der Eurozone sollte sich auf ca. 2 Prozent abschwächen, da man erstens eine schwächere Nachfrage erwarten müsse und gleichzeitig mit einer Schwemme von Produkten aus Asien rechnen müsse, die in den USA nicht mehr abgesetzt werden könnten. Auch für China und Rest-Asien erwarte Schär negative Folgen der Zölle und habe seine Wachstumserwartungen reduziert.
In Krisenphasen würden sich die Blicke schnell auf Notenbanken und Staaten richten, um unterstützend zu agieren. Historisch hätten diese Instanzen stabilisierend wirken können. Die US-Notenbank (Fed) stehe hier vor besonders großen Herausforderungen. Einerseits werde die Inflationsrate durch die Zölle wieder ansteigen, andererseits werde das Wirtschaftswachstum zurückgehen. Es gelte somit, Handlungsbereitschaft zu signalisieren, um Vertrauen zu schaffen, aber auch datenabhängig und nicht zu schnell zu agieren. Schär erwarte, dass die Fed spätestens ab dem Sommer auf schwache Konjunkturdaten mit Zinssenkungen reagieren werde. Die EZB habe aus seiner Sicht aufgrund geringerer Inflationsgefahren mehr Spielraum für Zinssenkungen. Schär rechne bis zum Jahresende mit drei weiteren Zinssenkungen.
Fraglich sei, wie die Staaten reagieren werden. In Europa habe lediglich Deutschland mit den neuen Milliardenpakten für Infrastruktur, Klima und Verteidigung große Spielräume, um mit Fiskalausgaben die Wirtschaft zu stützen. Europäische Gegenzölle würden hingegen die heimische Wirtschaft belasten. Auch die US-Regierung habe ursprünglich auf der Agenda gehabt, Verbraucher und Unternehmen im großen Stil steuerlich zu entlasten. Um diese Pläne sei es aktuell jedoch relativ ruhig geworden. Sollte ein Steuersenkungspaket oder gegebenenfalls auch das Thema Deregulierung wieder intensiver thematisiert werden, könnte dies stabilisierend wirken.
Das Ausmaß der neuen Handelspolitik der USA habe Schockwellen in die internationalen Finanzmärkte gesendet. Die Aktienbörsen hätten weltweit einen Ausverkauf und zweistellige Kursrückgänge erlebt. Sichere Häfen wie deutsche oder auch amerikanische Staatsanleihen seien gefragt gewesen und hätten Kursgewinne verzeichnen können. Das Vertrauen in eine wirtschaftsfreundliche US-Politik sei erstmal passé. Schär erwarte eine Abschwächung des Unternehmensgewinnwachstums sowohl in den USA als auch in Europa. Durch eine länger anhaltende Unsicherheitsphase würden die Verbraucher, insbesondere in den USA, zurückhaltender agieren, was die Gewinne der Unternehmen belaste. Für die zuletzt von Euphorie getragenen europäischen Aktienmärkte sei fraglich, ob die relative Stärke aufrechterhalten werden könne.
Das Gebot der Stunde laute in den Augen von Schär: Risikostreuung des Gesamtvermögens über Anlageklassen, Regionen, Branchen und Titel. Das höre sich banal an, sei in den letzten Jahren jedoch bei den wenigsten Kapitalanlegern vorzufinden gewesen. Allen voran hätten internationale Aktienindizes wie der MSCI World in den vergangenen Jahren eine hohe Konzentration in US-Aktien sowie wenigen Einzelwerten und Sektoren erreicht. Eine Gewichtung von mehr als 70 Prozent in den USA habe Schär schon immer zu konzentriert gefunden, und er habe hier bewusst adjustiert. Eine Orientierung an der Wirtschaftsleistung ergebe beispielsweise eine ausgewogenere Struktur und reduziere das US-Gewicht auf ca. 50 Prozent.
Schär habe sich in den vergangenen Wochen im Aktienbereich defensiver positioniert und weniger konjunktursensible Sektoren wie beispielsweise Versorger oder nicht-zyklische Konsumgüter aufgestockt. Das Börsenumfeld werde seiner Meinung nach herausfordernd und schwankungsanfällig bleiben. Phasen wie diese hätten jedoch historisch auch immer gute Gelegenheiten geboten, ertragsstarke Unternehmen mit einem robusten Geschäftsmodell zu attraktiven Kursen zu erwerben. Diese wolle Schär bewusst wahrnehmen.
Im Rentenbereich seien die Risikoprämien zuletzt unattraktiv gewesen, und Schär habe über das gesamte letzte Jahr hinweg den Anteil von Risikopapieren zugunsten von Staatsanleihen reduziert. Nun drehe sich hier langsam der Wind und mache Investitionen zunehmend attraktiver. (Ausgabe vom 07.04.2025) (08.04.2025/ac/a/m)
Mit einem regelrechten Feuerwerk an neuen Zöllen auf US-Importe aus der gesamten Welt sollten die internationalen Handelsströme neu adjustiert werden. Die Kapitalmärkte hätten mit deutlichen Kursrückgängen auf die gestiegene Unsicherheit reagiert.
Bereits in der ersten Amtsperiode von Donald Trump seien Zölle sein Lieblingsinstrument in der Handelspolitik gewesen. Im Wahlkampf des letzten Jahres und auch seit seiner Amtseinführung wiederhole er mantraartig seine Liebe zu Zöllen. Am 2. April habe er nun zum Rundumschlag gegen, aus seiner Sicht, unfaire Handelspraktiken ausgeholt und habe Zölle auf US-Importe nahezu aller Handelspartner verhängt. Weniger die Implementierung als die Höhe der Zölle habe schockiert. Ein nicht verhandelbarer Universalzoll von 10 Prozent auf alle Importe und zusätzliche länder- und sektorabhängige Zölle ließen den Durchschnittszollsatz auf über 20 Prozent hochschnellen. Das sei circa eine Verzehnfachung gegenüber dem Jahr 2024 und der höchste Satz seit einem Jahrhundert gewesen. Vor allem China stehe im Mittelpunkt des Politikwechsels. Für die globalisierte Welt sei es insgesamt ein sehr herber Schlag, wenn die größte Volkswirtschaft der Welt sich abschotte und sich vom freien Welthandel verabschiede.
Die Folgen seien schwer auszumachen, da sie von der Dauer und Höhe der implementierten Zölle und möglichen Gegenmaßnahmen der Handelspartner abhängen würden. Grundsätzlich gebe es keine Gewinner in einem Handelskrieg. Betrachte man die Zölle ohne Gegenzölle, so wären die USA am stärksten betroffen. Das Konjunkturbild von Schär habe sich folglich für die USA mit Blick auf dieses Jahr deutlich verändert. Schär gehe nun von einer leichten Rezession in den USA aus, da die Konsumenten ein Preisschock erwarte und diese ihren Konsum deutlich reduzieren würden. US-Unternehmen sollten in dieser Unsicherheitsphase Investitionen stärker zurückstellen.
Europa werde maßgeblich im Exportgeschäft unter Druck gesetzt. Auch hier erwarte Schär eine Konjunkturabschwächung, allerdings moderater im Vergleich zu den USA. Das liege daran, dass in Europa nur die Exporte in die USA betroffen seien. Die Inflation in der Eurozone sollte sich auf ca. 2 Prozent abschwächen, da man erstens eine schwächere Nachfrage erwarten müsse und gleichzeitig mit einer Schwemme von Produkten aus Asien rechnen müsse, die in den USA nicht mehr abgesetzt werden könnten. Auch für China und Rest-Asien erwarte Schär negative Folgen der Zölle und habe seine Wachstumserwartungen reduziert.
Fraglich sei, wie die Staaten reagieren werden. In Europa habe lediglich Deutschland mit den neuen Milliardenpakten für Infrastruktur, Klima und Verteidigung große Spielräume, um mit Fiskalausgaben die Wirtschaft zu stützen. Europäische Gegenzölle würden hingegen die heimische Wirtschaft belasten. Auch die US-Regierung habe ursprünglich auf der Agenda gehabt, Verbraucher und Unternehmen im großen Stil steuerlich zu entlasten. Um diese Pläne sei es aktuell jedoch relativ ruhig geworden. Sollte ein Steuersenkungspaket oder gegebenenfalls auch das Thema Deregulierung wieder intensiver thematisiert werden, könnte dies stabilisierend wirken.
Das Ausmaß der neuen Handelspolitik der USA habe Schockwellen in die internationalen Finanzmärkte gesendet. Die Aktienbörsen hätten weltweit einen Ausverkauf und zweistellige Kursrückgänge erlebt. Sichere Häfen wie deutsche oder auch amerikanische Staatsanleihen seien gefragt gewesen und hätten Kursgewinne verzeichnen können. Das Vertrauen in eine wirtschaftsfreundliche US-Politik sei erstmal passé. Schär erwarte eine Abschwächung des Unternehmensgewinnwachstums sowohl in den USA als auch in Europa. Durch eine länger anhaltende Unsicherheitsphase würden die Verbraucher, insbesondere in den USA, zurückhaltender agieren, was die Gewinne der Unternehmen belaste. Für die zuletzt von Euphorie getragenen europäischen Aktienmärkte sei fraglich, ob die relative Stärke aufrechterhalten werden könne.
Das Gebot der Stunde laute in den Augen von Schär: Risikostreuung des Gesamtvermögens über Anlageklassen, Regionen, Branchen und Titel. Das höre sich banal an, sei in den letzten Jahren jedoch bei den wenigsten Kapitalanlegern vorzufinden gewesen. Allen voran hätten internationale Aktienindizes wie der MSCI World in den vergangenen Jahren eine hohe Konzentration in US-Aktien sowie wenigen Einzelwerten und Sektoren erreicht. Eine Gewichtung von mehr als 70 Prozent in den USA habe Schär schon immer zu konzentriert gefunden, und er habe hier bewusst adjustiert. Eine Orientierung an der Wirtschaftsleistung ergebe beispielsweise eine ausgewogenere Struktur und reduziere das US-Gewicht auf ca. 50 Prozent.
Schär habe sich in den vergangenen Wochen im Aktienbereich defensiver positioniert und weniger konjunktursensible Sektoren wie beispielsweise Versorger oder nicht-zyklische Konsumgüter aufgestockt. Das Börsenumfeld werde seiner Meinung nach herausfordernd und schwankungsanfällig bleiben. Phasen wie diese hätten jedoch historisch auch immer gute Gelegenheiten geboten, ertragsstarke Unternehmen mit einem robusten Geschäftsmodell zu attraktiven Kursen zu erwerben. Diese wolle Schär bewusst wahrnehmen.
Im Rentenbereich seien die Risikoprämien zuletzt unattraktiv gewesen, und Schär habe über das gesamte letzte Jahr hinweg den Anteil von Risikopapieren zugunsten von Staatsanleihen reduziert. Nun drehe sich hier langsam der Wind und mache Investitionen zunehmend attraktiver. (Ausgabe vom 07.04.2025) (08.04.2025/ac/a/m)
