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Di, 28. April 2026, 10:02 Uhr

Kryptowährungen: Ende der kräftigen Erholung


14.04.22 16:40
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Risikofaktoren für die etablierten Kapitalmärkte machen auch vor den Kryptowährungen nicht Halt, so die Deutsche Börse AG.

Zins- und Inflationssorgen würden auch hier auf der Stimmung lasten. Bitcoin sei im Wochenverlauf unter die Marke von 40.000 US-Dollar gefallen. Zuletzt notiere die größte Kryptowährung bei 41.144 US-Dollar. Ethereum koste 3.099 US-Dollar und handele damit weiter über der Marke von 3.000 US-Dollar. Auf Monatssicht sei der zweitgrößten Währung ein Plus von gut 20 Prozent gelungen, dem Bitcoin ein Zugewinn von knapp 4 Prozent. Die Lage am Kryptomarkt bleibe angespannt.

Zinsen, Krieg, Inflation als Belastungen

"Zinssorgen - auch durch mögliche künftige Maßnahmen der Europäischen Zentralbank, steigende Inflation, Wahlen in Frankreich, der anhaltende Ukraine-Krieg und immer wieder Besorgnis über die Regulierung der Kryptowährungen in Europa sind nicht neu. Aber sie sind Unsicherheitsfaktoren und lasten auf dem Markt", sage Nils von Schoenaich-Carolath, Managing Director Digital Assets beim Bankhaus Scheich. "Wir sehen dadurch eine höhere Volatilität."

Maurice Touma von Lang & Schwarz beschreibe einen extrem volatilen Handel, vor allem bei kleineren Währungen. In der laufenden Woche hätten sich viele Anleger von ihren Kryptos getrennt und die Erholung vom März zu Gewinnmitnahmen genutzt.

Adrian Fritz von 21Shares berichte von regem Kaufinteresse seiner Kunden im März. Derzeit würden allerdings viele Kryptos an Wert verlieren, das spiegele sich in den Produkten wider. Grundsätzlich beobachte er, dass die Auswahl der Kryptowährungen nach genaueren Kriterien erfolge: "Die Anleger selektieren besser nach Story, Nutzen, Funktion und Größe einer Kryptowährung." Diese kritischere Herangehensweise habe er vor einem Jahr, als viele Kryptos Rekordstände erreicht hätten, noch nicht in dem Maße festgestellt.

Die aktuelle Berichterstattung zum Ethereum-Update beeinflusse den Kurs natürlich auch, berichte Fritz. "Dabei gibt es gar kein Datum, bis wann das Update abgeschlossen sein soll." Derzeit werde viel getestet. Mit der Umstellung auf den so genannten Proof of Stake, bei dem nur noch ein zufällig ausgewählter Rechner die jeweiligen Transaktionen bestätigen statt aller, werde aber auf jeden Fall erheblich Energie eingespart. Durch so genanntes Sharding, die Aufspaltung der Chain in kleinere Chains, werde die Ethereum-Blockchain schneller. Doch das dürfte bis 2023 dauern.

Fehlerfreies Ethereum-Update wäre Meilenstein - müsste eingepreist sein

"Wenn das Update fehlerfrei läuft, wäre das ein Meilenstein", hebe von Schoenaich-Carolath die Bedeutung hervor. Das Produkt werde energieschonender, schneller, effizienter und somit attraktiver, wenn alle Neuerungen umgesetzt seien. "Ob es einen Kursanstieg nach Vollendung des Updates gibt oder schon vorher, ist aber schwer einzuschätzen." Das Beispiel des Bitcoin Halvings, bei dem die Belohnungen für das Schürfen von Bitcoins halbiert werden, zeige das gut: "Ein Event, von dem jeder wusste, dass es kommt, muss naturgemäß heute bereits eingepreist sein, da es sich um eine öffentlich zugängliche Information handelt." Dennoch sei der Bitcoin nach den Halvings jeweils gestiegen. "Das widerspricht der klassischen Marktlehre."

Die Website Coin Price Forecast prognostiziere den Ethereum-Kurs zur Jahresmitte bei 3.392 US-Dollar, bis Jahresende bei 3.569 und bis Ende des Jahres 2023 bei 3.794 US-Dollar.

"Scheindiskussion" um Umgehen der Sanktionen mit Kryptos.

Nach wie vor werde - bedingt durch den Ukraine-Krieg - auch an den Kryptomärkten ein mögliches Umgehen von Sanktionen diskutiert, nachdem Russland befreundeten Staaten die Zahlung von Öl- und Gaslieferungen in Bitcoin gestatten wolle. Das sehe von Schoenaich-Carolath kritisch: Zunächst fehle den Unternehmen dafür die Infrastruktur, weil Kryptos vor allem von Privatanleger gehandelt würden. "Doch selbst wenn diese Infrastruktur irgendwann besteht, müssen Stable Coins in Fiat-Währungen zurückgetauscht werden, und spätestens dann greifen die Sanktionen."

Außerdem seien die meisten Blockchains transparent; jede Transaktion könne also nachverfolgt werden. "Dass man so anonym Geld transferieren kann, ist ein Irrglaube", stellt der Experte fest. Die Blockchain sei pseudonym, aber nicht anonym. "Deshalb ist die Diskussion über ein Umgehen der Sanktionen mit Hilfe von Kryptowährungen eine Scheindiskussion", fasse von Schoenaich-Carolath zusammen.

Im Handel derzeit Baskets und Bitcoin besonders gefragt

Den Handel der Privatanleger würden bei 21Shares aktuell vor allem Zuflüsse in Ethereum und Krypto-Baskets prägen. Mit Baskets würden die Anleger die Möglichkeiten nutzen, breiter zu diversifizieren.

Bei Lang & Schwarz dominiere die Nachfrage nach Solana (ISIN CH1114873776/ WKN A3GSS0). "Wir sehen Käufe unabhängig von der Marktlange", berichte Touma. Hier hätten auch einige Wikifolio-Kunden investiert. (14.04.2022/ac/a/m)