KI wird bei der Medikamentenentwicklung zum Gamechanger
09.04.24 16:15
AllianceBernstein
London (www.aktiencheck.de) - Die Entwicklung neuer Medikamente wird immer aufwändiger und lohnt sich immer weniger, so die Experten von AllianceBernstein.
Künstliche Intelligenz könne Pharmaunternehmen künftig dabei unterstützen, schneller neue Produkte auf den Markt zu bringen. Warum diese Entwicklung immense Auswirkungen haben könnte und welche Unternehmen bereits einen Schritt weiter seien, erkläre Healthcare-Experte Vinay Thapar, Portfolio Manager - Global Healthcare AllianceBernstein. In seiner Kolumne Vinay's Vision wage er regelmäßig einen Blick in die Zukunft von Medizin und Forschung und zeige auf, wo sich für Investoren Chancen ergeben würden. Heute Teil 2: KI und die Medikamentenentwicklung.
Krankheiten besser zu verstehen und wirksame Therapien zu entwickeln, daran würden Forschende in der Pharmaindustrie mit Hochdruck arbeiten. Dennoch brauche es von der ersten Idee bis zur finalen Zulassung eines Medikaments oft weit mehr als zehn Jahre. Es würden Wirkstoffe gesucht, welche die dringendsten Gesundheitsprobleme der Welt lösen, bei den Patienten jedoch keine oder nur geringe Nebenwirkungen auslösen würden. Künstliche Intelligenz könnte diesen Prozess in Zukunft dramatisch beschleunigen. Mit erheblichen Folgen für alle Beteiligten: Unternehmen könnten ihre Kosten für Forschung und Entwicklung erheblich reduzieren und Patienten würden schneller von besseren oder sogar individuell auf sie abgestimmten Wirkstoffen profitieren.
Ein Blick auf die aktuellen Prozesse bei der Medikamentenentwicklung zeige, welchen immensen Hebel KI in Zukunft haben könnte: Die Entwicklung eines neuen Medikaments sei komplex und aufwendig - etwa 92 Prozent der Arzneimittelkandidaten würden es nicht bis zur Marktreife schaffen. Dabei zeige vor allem die Biotechnologie- und Gesundheitsbranche ein starkes Engagement für Innovationen, das zeige auch die stetig wachsende Zahl neuer Wirkstoffe in der Entwicklungspipeline. Im Jahr 2023 seien 21.292 neue Medikamente entwickelt worden, während es 2001 gerade mal 5.995 gewesen seien. Auch die Zulassungsrate der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) spiegele diese Dynamik wider.
Künstliche Intelligenz könnte diesem Trend noch einmal einen deutlichen Schub verleihen. Für Investoren im Gesundheitssektor eine Chance: Eine aktuelle Studie des McKinsey Global Institute gehe davon aus, dass generative Künstliche Intelligenz für die Pharma- und Medizintechnikbranche jährlich eine zusätzliche Wertschöpfung zwischen 60 Milliarden Dollar und 110 Milliarden Dollar erzielen könnte. Allein in der Frühphase der Entwicklung neuer Medikamente liege das Potenzial bei 15 Milliarden bis 28 Milliarden Dollar. Künstliche Intelligenz, die mit Daten zu Wirksamkeit, Bioverfügbarkeit und Nebenwirkungen von bereits bekannten Wirkstoffen gefüttert werde, ermögliche es, schneller Wirkstoffe zu identifizieren, die in den folgenden klinischen Versuchen stabiler und erfolgreicher abschneiden würden als bislang.
Unter Experten sei es weitgehend unstrittg, dass KI das Potenzial habe die Medikamentenentwicklung zu revolutionieren. Für Investoren stelle sich bei der Auswahl geeigneter Anlagen die Frage, wie es Unternehmen schaffen würden, die neue Technologie dauerhaft als Wettbewerbsvorteile für sich zu nutzen. Die reine Anwendung reiche dafür nicht, denn spätestens, wenn sich KI branchenweit durchgesetzt habe, würden die Wettbewerbsvorteile der Frühanwender verpuffen. Unternehmen, die KI bis dahin noch nicht hinreichend in ihre Prozesse integriert hätten, würden spätestens dann mit einem höheren Preisdruck zu kämpfen haben. Unternehmen hingegen, die sich dieser Risiken bewusst seien und ihre Geschäftsmodelle auf KI ausgerichtet hätten, würden die Nase vorne haben - und langfristig Chancen für Investoren bieten.
Wie das konkret in der Praxis aussehen könne, zeige Icon. Das Unternehmen biete ausgelagerte Entwicklungs- und Vermarktungsdienstleistungen für Pharma-, Biotech- und Medizintechnikunternehmen sowie Behörden und Organisationen des öffentlichen Gesundheitswesens, dazu gehöre etwa das Rekrutieren von Probanden. Die größte Herausforderung dabei: Ausreichend geeignete Patienten für die Studien zu gewinnen. Gelinge es nicht, habe das erhebliche Auswirkungen auf Budget und Zeitplan der Studie. Die Lösung von Icon: Das Unternehmen identifiziere mithilfe von KI geeignete Standorte, die die besten Voraussetzungen für den Erfolg derartiger Studien liefern würden.
Auch Veeva Systems habe sein Geschäftsmodell auf KI ausgerichtet. Das Unternehmen unterstütze Pharmaunternehmen beim Management klinischer Studien und sorge etwa dafür, dass gesetzliche Vorschriften eingehalten würden. Zudem organisiere Veeva das Qualitätsmanagement und die spätere Vermarktung. Hierbei setze Veeva mittlerweile gezielt auf Algorithmen, um Kundendaten zu analysieren und Muster zu erkennen, die zur Verbesserung der Vertriebs- und Marketingstrategien beitragen würden.
Mittels Software könne Veeva beispielsweise ermitteln, welche Botschaften und Kanäle für die unterschiedlichen Kundensegmente am wirksamsten seien. Die Vorteile lägen auf der Hand: Pharmaunternehmen seien in der Lage, fundierte Entscheidungen zu treffen, um die Kundenbindung zu optimieren und nicht zuletzt Umsatz und Ertrag zu verbessern.
Zwei Beispiele, die zeigen würden, dass KI bereits heute die Effizienz von Gesundheitssystemen steigern und damit zu Kosteneinsparungen für die ganze Branche beitragen könne. Auf lange Sicht könne die KI die Tür zu einer wirksameren und zugänglicheren personalisierten Medizin öffnen. Dazu seien nicht nur Investitionen in diesen Bereich nötig, sondern auch ein neues interdisziplinäres Denken von Experten aus den Bereichen KI, Chemie, Pharma und Biotech. Eine Entwicklung, die man in den kommenden Jahren sehen werde.
Dies sei der zweite Teil der "Vinay's Vision" der Experten, in der sie sich regelmäßig mit der Zukunft des Gesundheitswesens befassen und sowohl technologische Fortschritte als auch Chancen für Investoren aufzeigen würden. In der kommenden Ausgabe würden sich die Experten damit beschäftigen, wie neueste Entwicklungen im Bereich Robotics die Chirurgie revolutionieren könnten. (09.04.2024/ac/a/m)
Künstliche Intelligenz könne Pharmaunternehmen künftig dabei unterstützen, schneller neue Produkte auf den Markt zu bringen. Warum diese Entwicklung immense Auswirkungen haben könnte und welche Unternehmen bereits einen Schritt weiter seien, erkläre Healthcare-Experte Vinay Thapar, Portfolio Manager - Global Healthcare AllianceBernstein. In seiner Kolumne Vinay's Vision wage er regelmäßig einen Blick in die Zukunft von Medizin und Forschung und zeige auf, wo sich für Investoren Chancen ergeben würden. Heute Teil 2: KI und die Medikamentenentwicklung.
Krankheiten besser zu verstehen und wirksame Therapien zu entwickeln, daran würden Forschende in der Pharmaindustrie mit Hochdruck arbeiten. Dennoch brauche es von der ersten Idee bis zur finalen Zulassung eines Medikaments oft weit mehr als zehn Jahre. Es würden Wirkstoffe gesucht, welche die dringendsten Gesundheitsprobleme der Welt lösen, bei den Patienten jedoch keine oder nur geringe Nebenwirkungen auslösen würden. Künstliche Intelligenz könnte diesen Prozess in Zukunft dramatisch beschleunigen. Mit erheblichen Folgen für alle Beteiligten: Unternehmen könnten ihre Kosten für Forschung und Entwicklung erheblich reduzieren und Patienten würden schneller von besseren oder sogar individuell auf sie abgestimmten Wirkstoffen profitieren.
Ein Blick auf die aktuellen Prozesse bei der Medikamentenentwicklung zeige, welchen immensen Hebel KI in Zukunft haben könnte: Die Entwicklung eines neuen Medikaments sei komplex und aufwendig - etwa 92 Prozent der Arzneimittelkandidaten würden es nicht bis zur Marktreife schaffen. Dabei zeige vor allem die Biotechnologie- und Gesundheitsbranche ein starkes Engagement für Innovationen, das zeige auch die stetig wachsende Zahl neuer Wirkstoffe in der Entwicklungspipeline. Im Jahr 2023 seien 21.292 neue Medikamente entwickelt worden, während es 2001 gerade mal 5.995 gewesen seien. Auch die Zulassungsrate der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) spiegele diese Dynamik wider.
Künstliche Intelligenz könnte diesem Trend noch einmal einen deutlichen Schub verleihen. Für Investoren im Gesundheitssektor eine Chance: Eine aktuelle Studie des McKinsey Global Institute gehe davon aus, dass generative Künstliche Intelligenz für die Pharma- und Medizintechnikbranche jährlich eine zusätzliche Wertschöpfung zwischen 60 Milliarden Dollar und 110 Milliarden Dollar erzielen könnte. Allein in der Frühphase der Entwicklung neuer Medikamente liege das Potenzial bei 15 Milliarden bis 28 Milliarden Dollar. Künstliche Intelligenz, die mit Daten zu Wirksamkeit, Bioverfügbarkeit und Nebenwirkungen von bereits bekannten Wirkstoffen gefüttert werde, ermögliche es, schneller Wirkstoffe zu identifizieren, die in den folgenden klinischen Versuchen stabiler und erfolgreicher abschneiden würden als bislang.
Wie das konkret in der Praxis aussehen könne, zeige Icon. Das Unternehmen biete ausgelagerte Entwicklungs- und Vermarktungsdienstleistungen für Pharma-, Biotech- und Medizintechnikunternehmen sowie Behörden und Organisationen des öffentlichen Gesundheitswesens, dazu gehöre etwa das Rekrutieren von Probanden. Die größte Herausforderung dabei: Ausreichend geeignete Patienten für die Studien zu gewinnen. Gelinge es nicht, habe das erhebliche Auswirkungen auf Budget und Zeitplan der Studie. Die Lösung von Icon: Das Unternehmen identifiziere mithilfe von KI geeignete Standorte, die die besten Voraussetzungen für den Erfolg derartiger Studien liefern würden.
Auch Veeva Systems habe sein Geschäftsmodell auf KI ausgerichtet. Das Unternehmen unterstütze Pharmaunternehmen beim Management klinischer Studien und sorge etwa dafür, dass gesetzliche Vorschriften eingehalten würden. Zudem organisiere Veeva das Qualitätsmanagement und die spätere Vermarktung. Hierbei setze Veeva mittlerweile gezielt auf Algorithmen, um Kundendaten zu analysieren und Muster zu erkennen, die zur Verbesserung der Vertriebs- und Marketingstrategien beitragen würden.
Mittels Software könne Veeva beispielsweise ermitteln, welche Botschaften und Kanäle für die unterschiedlichen Kundensegmente am wirksamsten seien. Die Vorteile lägen auf der Hand: Pharmaunternehmen seien in der Lage, fundierte Entscheidungen zu treffen, um die Kundenbindung zu optimieren und nicht zuletzt Umsatz und Ertrag zu verbessern.
Zwei Beispiele, die zeigen würden, dass KI bereits heute die Effizienz von Gesundheitssystemen steigern und damit zu Kosteneinsparungen für die ganze Branche beitragen könne. Auf lange Sicht könne die KI die Tür zu einer wirksameren und zugänglicheren personalisierten Medizin öffnen. Dazu seien nicht nur Investitionen in diesen Bereich nötig, sondern auch ein neues interdisziplinäres Denken von Experten aus den Bereichen KI, Chemie, Pharma und Biotech. Eine Entwicklung, die man in den kommenden Jahren sehen werde.
Dies sei der zweite Teil der "Vinay's Vision" der Experten, in der sie sich regelmäßig mit der Zukunft des Gesundheitswesens befassen und sowohl technologische Fortschritte als auch Chancen für Investoren aufzeigen würden. In der kommenden Ausgabe würden sich die Experten damit beschäftigen, wie neueste Entwicklungen im Bereich Robotics die Chirurgie revolutionieren könnten. (09.04.2024/ac/a/m)
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