Geld und Konjunkturzyklen in der Weltwirtschaft
24.04.26 11:04
Janus Henderson Investors
London (www.aktiencheck.de) - Die Zyklusanalyse deutet darauf hin, dass sich die Weltwirtschaft in einer Schwächephase befindet und somit ein erhebliches Risiko einer Rezession infolge eines Dritten Golfkriegs besteht, so Simon Ward, Economic Advisor bei Janus Henderson Investors.
Die Entwicklung der realen Geldmenge werde ausschlaggebend für ein mögliches negatives Szenario sein.
Die Zyklen bei den Immobilien (Kuznets), den Unternehmensinvestitionen (Juglar) und den Lagerbeständen (Kitchin) dauerten im Durchschnitt 18, 9 beziehungsweise 3,5 Jahre. Die jüngsten Tiefpunkte sollen 2009, 2020 und 2023 erreicht worden sein. Dies lasse darauf schließen, dass die nächsten Tiefpunkte etwa 2027, 2029 und 2027 erreicht würden. Es werde daher erwartet, dass sich alle drei Zyklen in den nächsten ein bis drei Jahren in einer Abwärtsphase befänden.
Die Geschichte der Konjunkturzyklen lege zwei Möglichkeiten nahe. Falls die drei Konjunkturabschwünge zeitlich zusammenfielen, sei eine schwere Rezession wahrscheinlich. Zu den historischen Präzedenzfällen zählten die weltweiten Konjunktureinbrüche der Jahre 1974/75 und 2008/09.
Verteilten sich die Zyklustiefs über mehrere Jahre, würde das Muster der frühen 1990er Jahre greifen – eine längere Phase anhaltender Konjunkturschwäche, verbunden mit einer weniger schwerwiegenden Rezession.
Bereits Ende der 1950er Jahre habe es eine Phase mit dreifacher Konjunkturschwäche gegeben, die ebenfalls mit einer weniger ausgeprägten Rezession einhergegangen sei. Damals sei der Produktionsrückgang jedoch durch ein starkes konjunkturelles Wachstum begrenzt worden, das den Wiederaufbau der Nachkriegszeit widergespiegelt habe.
Die Auswirkungen von Schocks auf die Weltwirtschaft hingen vom konjunkturellen Umfeld ab. Die Wirtschaftstätigkeit habe sich nach dem Corona-Schock 2020 deutlich erholt - zum Teil, weil sich der Lagerbestands- und der Unternehmensinvestitionszyklus gerade in einer Erholungsphase befunden hätten, während der Immobilienzyklus weiterhin im Aufschwung gewesen sei.
Ähnlich seien die wirtschaftlichen Schäden des Energieschocks von 2022 aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine durch die Konjunkturzyklen bei Unternehmensinvestitionen und im Wohnungsbau begrenzt worden - nur der Lagerbestandszyklus habe sich damals in einer schwachen Phase befunden.
Der Zeitpunkt des Schocks durch den Dritten Golfkrieg erinnere an das arabische Ölembargo von 1973. Dieses habe genau dann eingesetzt, als die drei Konjunkturzyklen ihren Höhepunkt erreicht hätten, und habe zu synchronen und sich gegenseitig verstärkenden Abschwüngen bis hin zu den Tiefstständen von 1975 geführt.
Es gebe wichtige Unterschiede zum Schock von 1973, die die Auswirkungen abmildern könnten. Der Ölpreisanstieg sei viel geringer gewesen und die Bedeutung des Öls für das BIP sei deutlich gesunken. Der Schock von 1973 habe sich in einem Umfeld mit zweistelligem Geldmengenwachstum in den G7-Staaten ereignet, was zwangsläufig zu Inflation geführt habe – derzeit sei das Wachstum noch gering. Die steigende Inflation habe eine erhebliche Straffung der Geldpolitik erzwungen, was insgesamt zu einer starken Verknappung der Realgeldmenge geführt habe.
Die Realgeldtrends hätten vor dem aktuellen Schock leicht stützend gewirkt: Das Wachstum weltweit und in den G7-Ländern habe sich bis Anfang 2026 gefestigt, was auf eine anhaltende wirtschaftliche Expansion bis ins dritte Quartal hindeute.
Die konkreten Auswirkungen steigender Energie- und anderer Kosten auf die Verbraucherpreisinflation würden bis zur Jahresmitte zu einer deutlichen Verlangsamung des realen Geldmengenwachstums führen. Das Ausmaß dieses Rückgangs werde entscheidend sein für die Einschätzung der zu erwartenden Konjunkturschwäche. Zwar spreche das moderate Geldmengenwachstum gegen nennenswerte Zweitrunden-Inflationseffekte, doch deuteten die Zentralbanken eine vorsorgliche Straffung der Geldpolitik an, was die monetäre Schwäche noch verstärken würde.
Ein weiteres Risiko bestehe in einer endogenen geldpolitischen Straffung, falls der Schock durch den Dritten Golfkrieg mit den jüngsten Problemen bei der Kreditvergabe an den privaten Sektor zusammenwirke und zu einer allgemeinen Verknappung der Kreditverfügbarkeit führe. Ein solcher Wandel könnte sich in den Umfragen der EZB und der Fed unter Kreditvergabefachleuten ankündigen, die für Ende April beziehungsweise Anfang Mai erwartet würden.
Die Daten zur realen Geldmenge der einzelnen Länder bis Februar deuteten darauf hin, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten der USA vor dem Schock sowohl absolut als auch im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften verbessert hätten.
Die anhaltende Schwäche des japanischen Yen untermauere weiterhin, dass die geldpolitische Straffung der BoJ – sowohl durch eine groß angelegte quantitative Straffung als auch durch Zinserhöhungen – fehlgeleitet gewesen sei. Wie erwartet sei die Kerninflationsrate - ohne Lebensmittel und Energie - gesunken und liege selbst ohne Berücksichtigung der Auswirkungen staatlicher Subventionen unter 2%.
Die Erholung in der Eurozone und die Dynamik des Realgeldes in Großbritannien seien auf einem wenig beeindruckenden Niveau ins Stocken geraten. Dies deute auf trübe Wirtschaftsaussichten vor dem Schock hin. Die Zahlen in der Eurozone seien in den großen Volkswirtschaften ähnlich und Frankreich sei kein negativer Ausreißer mehr.
Die Dynamik des chinesischen Realgeldmarktes habe sich zwar verlangsamt, könnte sich aber künftig besser behaupten als in anderen Ländern. Dies sei auf stabile Zinssätze und staatliche Maßnahmen zur Begrenzung des Preisanstiegs zurückzuführen. Eine starke Zahlungsbilanzposition, die zum Teil auf eine nach wie vor deutlich unterbewertete Währung zurückzuführen sei, sorge für Kapitalzuflüsse. (24.04.2026/ac/a/m)
Die Entwicklung der realen Geldmenge werde ausschlaggebend für ein mögliches negatives Szenario sein.
Die Zyklen bei den Immobilien (Kuznets), den Unternehmensinvestitionen (Juglar) und den Lagerbeständen (Kitchin) dauerten im Durchschnitt 18, 9 beziehungsweise 3,5 Jahre. Die jüngsten Tiefpunkte sollen 2009, 2020 und 2023 erreicht worden sein. Dies lasse darauf schließen, dass die nächsten Tiefpunkte etwa 2027, 2029 und 2027 erreicht würden. Es werde daher erwartet, dass sich alle drei Zyklen in den nächsten ein bis drei Jahren in einer Abwärtsphase befänden.
Die Geschichte der Konjunkturzyklen lege zwei Möglichkeiten nahe. Falls die drei Konjunkturabschwünge zeitlich zusammenfielen, sei eine schwere Rezession wahrscheinlich. Zu den historischen Präzedenzfällen zählten die weltweiten Konjunktureinbrüche der Jahre 1974/75 und 2008/09.
Verteilten sich die Zyklustiefs über mehrere Jahre, würde das Muster der frühen 1990er Jahre greifen – eine längere Phase anhaltender Konjunkturschwäche, verbunden mit einer weniger schwerwiegenden Rezession.
Bereits Ende der 1950er Jahre habe es eine Phase mit dreifacher Konjunkturschwäche gegeben, die ebenfalls mit einer weniger ausgeprägten Rezession einhergegangen sei. Damals sei der Produktionsrückgang jedoch durch ein starkes konjunkturelles Wachstum begrenzt worden, das den Wiederaufbau der Nachkriegszeit widergespiegelt habe.
Die Auswirkungen von Schocks auf die Weltwirtschaft hingen vom konjunkturellen Umfeld ab. Die Wirtschaftstätigkeit habe sich nach dem Corona-Schock 2020 deutlich erholt - zum Teil, weil sich der Lagerbestands- und der Unternehmensinvestitionszyklus gerade in einer Erholungsphase befunden hätten, während der Immobilienzyklus weiterhin im Aufschwung gewesen sei.
Ähnlich seien die wirtschaftlichen Schäden des Energieschocks von 2022 aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine durch die Konjunkturzyklen bei Unternehmensinvestitionen und im Wohnungsbau begrenzt worden - nur der Lagerbestandszyklus habe sich damals in einer schwachen Phase befunden.
Es gebe wichtige Unterschiede zum Schock von 1973, die die Auswirkungen abmildern könnten. Der Ölpreisanstieg sei viel geringer gewesen und die Bedeutung des Öls für das BIP sei deutlich gesunken. Der Schock von 1973 habe sich in einem Umfeld mit zweistelligem Geldmengenwachstum in den G7-Staaten ereignet, was zwangsläufig zu Inflation geführt habe – derzeit sei das Wachstum noch gering. Die steigende Inflation habe eine erhebliche Straffung der Geldpolitik erzwungen, was insgesamt zu einer starken Verknappung der Realgeldmenge geführt habe.
Die Realgeldtrends hätten vor dem aktuellen Schock leicht stützend gewirkt: Das Wachstum weltweit und in den G7-Ländern habe sich bis Anfang 2026 gefestigt, was auf eine anhaltende wirtschaftliche Expansion bis ins dritte Quartal hindeute.
Die konkreten Auswirkungen steigender Energie- und anderer Kosten auf die Verbraucherpreisinflation würden bis zur Jahresmitte zu einer deutlichen Verlangsamung des realen Geldmengenwachstums führen. Das Ausmaß dieses Rückgangs werde entscheidend sein für die Einschätzung der zu erwartenden Konjunkturschwäche. Zwar spreche das moderate Geldmengenwachstum gegen nennenswerte Zweitrunden-Inflationseffekte, doch deuteten die Zentralbanken eine vorsorgliche Straffung der Geldpolitik an, was die monetäre Schwäche noch verstärken würde.
Ein weiteres Risiko bestehe in einer endogenen geldpolitischen Straffung, falls der Schock durch den Dritten Golfkrieg mit den jüngsten Problemen bei der Kreditvergabe an den privaten Sektor zusammenwirke und zu einer allgemeinen Verknappung der Kreditverfügbarkeit führe. Ein solcher Wandel könnte sich in den Umfragen der EZB und der Fed unter Kreditvergabefachleuten ankündigen, die für Ende April beziehungsweise Anfang Mai erwartet würden.
Die Daten zur realen Geldmenge der einzelnen Länder bis Februar deuteten darauf hin, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten der USA vor dem Schock sowohl absolut als auch im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften verbessert hätten.
Die anhaltende Schwäche des japanischen Yen untermauere weiterhin, dass die geldpolitische Straffung der BoJ – sowohl durch eine groß angelegte quantitative Straffung als auch durch Zinserhöhungen – fehlgeleitet gewesen sei. Wie erwartet sei die Kerninflationsrate - ohne Lebensmittel und Energie - gesunken und liege selbst ohne Berücksichtigung der Auswirkungen staatlicher Subventionen unter 2%.
Die Erholung in der Eurozone und die Dynamik des Realgeldes in Großbritannien seien auf einem wenig beeindruckenden Niveau ins Stocken geraten. Dies deute auf trübe Wirtschaftsaussichten vor dem Schock hin. Die Zahlen in der Eurozone seien in den großen Volkswirtschaften ähnlich und Frankreich sei kein negativer Ausreißer mehr.
Die Dynamik des chinesischen Realgeldmarktes habe sich zwar verlangsamt, könnte sich aber künftig besser behaupten als in anderen Ländern. Dies sei auf stabile Zinssätze und staatliche Maßnahmen zur Begrenzung des Preisanstiegs zurückzuführen. Eine starke Zahlungsbilanzposition, die zum Teil auf eine nach wie vor deutlich unterbewertete Währung zurückzuführen sei, sorge für Kapitalzuflüsse. (24.04.2026/ac/a/m)
