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Mo, 27. April 2026, 8:08 Uhr

In schlechten Nachr. Pos. zu finden


31.05.04 09:59
iWatch

Manchmal glauben die Experten von "iWatch", dass man die Medien am besten abschalten sollte.

Aktienkurse seien gestiegen, weil der Ölpreisanstieg ein Ende gefunden habe, habe es diese Woche geheissen. Was bitteschön hätten Yahoo!, Amazon oder eBay mit dem Ölpreis zu tun? Deren Kursanstiege hätten sich in den letzten zwei Wochen auf 15 bis 20% belaufen. Das Crude Oel sei von seinem Höchstpreis von knapp 41,5 auf 39,17 USD gefallen. Nun solle man nicht erzählen, dass diese 2 USD Preisrückgang im Öl zu besseren Geschäften bei diesen Internetunternehmen führen.

Nein, die Zusammenhänge seien wesentlich komplexer. Komplexer, weil Leitzins, Wechselkurs, Irak-Konflikt bis hin zu Wahlkampagnenansprachen, Wetterverhältnissen und Privatleben einzelner Marktteilnehmer einen Einfluss auf das tägliche Börsengeschehen hätten. Einfach, weil letztlich nur ein einziger Faktor ausreiche, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Nachdem nun die Aktienbörsen seit Jahresanfang unter grossen Schwankungen seitwärts tendiert hätten, habe der Pessimismus im Rahmen dieser Schwankungen vor zwei Wochen seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Der Ölpreis auf Rekordniveau über 40 USD, Ausverkauf des T-Bond, dementsprechend ein Renditeanstieg von 3,7% auf 4,9% in nur 2 Monaten, Erholung des US-Dollars von 1,27 auf 1,18 je Euro in nur 3 Monaten, Korrektur des S&P 500 bis nahe an die 200-Tages-Durchschnittslinie, die Missbrauchvorwürfe an das US-Militär und schließlich die Ermordung des irakischen Präsidentschaftskandidaten.

An jenem Montag vor zwei Wochen sei der eine oder andere Manager von short positionierten Hedgefonds morgens ins Büro gekommen und habe seine Mitarbeiter gefragt, was nun noch Schlimmeres passieren könne. Nun, "Leitzinsanhebung, Wirtschaftsschwäche, Fortsetzung der Abwärtsspirale" hätten vermutlich die Antworten gelautet. Tja, das sei tatsächlich eine Möglichkeit. Aber nachdem nun auf der Shortseite gute Gewinne eingefahren worden seien, warum nicht einmal anlässlich dieser gehäuften negativen Rahmenbedingungen erst einmal ein paar Gewinne einstreichen?

Und so hätten short positionierte Börsianer begonnen, sich einzudecken. Weitere negative Meldungen hätten in den folgenden Tagen für eine Verstärkung des Aufwärtstrends gesorgt, denn man habe ja beschlossen, dass alles Negative bereits eingepreist sei. Nichts habe sich wirklich verändert, als dass Börsianer nach Wochen der Schwarzmalerei nun überzeugt seien, dass alles Negative in dem Markt eingepreist sei. Nun sei selbst aus schlechten Meldungen das Positive herausgefiltert worden: Die Neubaubeginne seien im Monat April stark zurückgefallen, die persönlichen Konsumausgaben seien ebenfalls hinter die Erwartungen gefallen. Börsianer hätten diese Entwicklung begrüßt, denn eine schwache Konjunktur führe dazu, dass die FED den Leitzins nicht so schnell anheben könne.

Also: Während vor drei oder vier Wochen eine schlechte Zahl des Immobiliensektors die Angst der Börsianer vor dem großen Crash nur noch angeheizt hätte, so sei sie nun positiv aufgenommen worden. Vor diesem Hintergrund hätten die Aktienbörsen Kursgewinne von 20% und mehr verbuchen können. Die Indizes seien um 2,5 bis über 6% in die Höhe gesprungen.

Das Crude Oel sei wieder knapp unter 39 USD gefallen. Vor einem Jahr noch sei ein Ölpreis von 15 USD für möglich gehalten worden. Die Rendite des T-Bonds sei wieder auf 4,65% zurückgegangen und sogar das Gold habe wieder begonnen zu steigen. Am vergangenen Freitag sei der letzte Handelstag des Monats Mai gewesen. Wie man wisse, müssten institutionelle Anleger teilweise monatliche Berichte über die Performance ihres Portfolios abliefern. Wenn man eine grosse Position in einem kleinen Unternehmen besitze, dann könne man mit einem verhältnismäßig kleinen Betrag durch Käufe zum Monatsende den Kurs ein wenig in die Höhe treiben, um die Gesamtbilanz des Portfolios, die auf Basis des Monatsschlusskurses erstellt werde, zu verschönern. Dieser bekannte Effekt werde inzwischen von des SEC verfolgt und bestraft. Es sei also nicht mehr ganz so einfach, man müsse schon ein paar Tage früher mit den Käufen beginnen und hoffen, dass sich die erhöhten Kurse halten.

Diesmal sei dies gelungen.

Man sehe also: Von Shorteindeckungen über Konjunkturdaten, die durch eine rosarote Brille gesehen worden seien, bis hin zu Monatsendmanipulationen hätten einige Effekte mitgewirkt, um höhere Kurse zu erzeugen. An diesem verlängerten Wochenende (Montag Memorial Day in den USA, die Börsen blieben geschlossen) würden sich nun Börsianer überlegen, ob man vor zwei Wochen das Tief der Korrektur der letzten Monate gesehen habe, ob nun aufgrund der deutlich verbesserten Geschäftszahlen der Unternehmen die Aktienbörse weitere Kursgewinne erzielen werde oder ob man nur eine Bärenmarktrallye erlebt habe, die sich in den nächsten Tagen fortsetzen werde.

Es wäre nicht das erste Mal, dass technische Faktoren für das Ende einer Korrektur verantwortlich wären. Auf der anderen Seite stehe der Sommer bevor, und in Sommermonaten gebe es nur selten grosse Kursgewinne an den Aktienbörsen.





 
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