US-Fiskalklippe spannt Märkte auf die Folter
21.12.12 11:55
BNP Paribas Investment Partners
Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Unruhe über die Fiskalklippe in den USA bestimmt weiterhin die Entwicklung der Märkte, so die Analysten von BNP Paribas Investment Partners.
Die US-Aktienmärkte hätten letzte Woche schwach geschlossen, hätten sich aber erholt, als es Anzeichen für Fortschritte bei der Einigung über eine Lösung für den Schuldenabbau gegeben habe. Die "Cliff" habe das Vertrauen von Verbrauchern und Kleinunternehmern in den USA geschwächt. Der Empire-Einkaufsmanagerindex für die Region New York habe diese Woche eine unerwartete Eintrübung des Geschäftsklimas in der Industrie erkennen lassen. Positiv sei hingegen die Verbesserung des Ausblicks gewesen, die bedeute, dass nach Lösung der Haushaltskrise Hoffnung auf eine Verbesserung bestehe.
Inzwischen gebe es Anzeichen dafür, dass noch in diesem Jahr eine Lösung gefunden werden könnte. Die Führung der Republikaner habe ein höheres Steueraufkommen akzeptiert, das sowohl durch höhere Steuersätze als auch durch niedrigere Steuerfreibeträge erreicht werden solle. Die Demokraten hätten sich mit Kürzungen der Sozialausgaben einverstanden erklärt. Eine Anhebung der Obergrenze für die Staatsverschuldung, die es der Regierung ermöglichen würde, für ein weiteres Jahr Geld aufzunehmen, werde wahrscheinlich ebenfalls in den Kompromiss aufgenommen. Die Hauptlast dieser Maßnahmen werde im kommenden Jahr zu spüren sein. In den darauffolgenden Jahren dürfte es besser aussehen.
In Anbetracht der Fiskalbremse für 2013 werde in den USA im nächsten Jahr nur mit einem bescheidenen Wirtschaftswachstum gerechnet. Ein Wachstumstreiber könnte der Häusermarkt sein. Hier habe sich das Vertrauen der Wohnungsbaugesellschaften verbessert. Die Analysten würden mit einem bescheidenen aber anhaltend positiven Einfluss der Erholung des Häusermarktes auf die Gesamtwirtschaft rechnen. Dieser Sektor sei in den letzten Jahren geschrumpft und mache heute nur noch einen relativ kleinen Teil der amerikanischen Wirtschaftsleistung aus. Die Analysten würden nicht damit rechnen, dass die Verbraucher ihr Immobilienvermögen so belasten würden, wie das vor der Immobilienkrise der Fall gewesen sei.
Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion hätten sich von der durch den Orkan "Sandy" bedingten Schwäche erholt. Allerdings sei das Wachstum in beiden Sektoren nicht besonders kräftig. Es sehe derzeit so aus, als würde das BIP-Wachstum in den USA deutlich niedriger ausfallen als die 2,7% im dritten Quartal (im Vergleich zum Vorquartal auf das Jahr hochgerechnet). Nächstes Jahr könnte sich das Wachstum wieder etwas verbessern, aber wie bereits gesagt, würden positive Entwicklungen aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Fiskalbremse begrenzt werden.
Die Ergebnisse des Gipfeltreffens für den Euroraum würden den Erwartungen entsprechen. Die Regierungschefs hätten sich auf eine zentrale Bankenaufsicht geeinigt, eine Rolle, die die EZB in Zusammenarbeit mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde und den nationalen Aufsichtsbehörden übernehmen solle. Kleinere Banken seien von dieser Regelung nicht betroffen. Dies sei nur als ein erster Schritt in Richtung einer Bankenunion zu verstehen.
Eine Bankenunion sei wichtig, um eine Trennung zwischen schwachen Regierungen und schwachen Bankensystemen zu erreichen. Außerdem könnte sie dazu beitragen, die Kapitalflucht aus wirtschaftlich schwachen Ländern des Euroraums aufzuhalten. Es gebe allerdings noch weitere wichtige Schritte, die hinausgeschoben worden seien, so z.B. die Einführung einer zentralen Abwicklungsbehörde ("resolution mechanism") für marode Banken oder eine Einlagenversicherung auf Euroraum-Ebene. Diese Schritte seien heikel, da sie bedeuten würden, dass im Krisenfall Geld von starken in schwache Euroraum-Staaten fließe.
Eine Bankenunion würde es ermöglichen, Banken direkt durch den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM zu stabilisieren. In diesem Falle würde die Bankenrettung nicht mehr die Staatsfinanzen belasten. Keine Fortschritte habe es hingegen bei Diskussionen über den zukünftigen Eurozonen-Haushalt und verbindliche Vereinbarungen über Wirtschaftsreformen gegeben. Die Kreditgeber hätten sich jedoch darauf geeinigt, die nächste Tranche des Hilfspakets für Griechenland freizugeben und damit den Weg für eine Rekapitalisierung des griechischen Bankensektors freigemacht. Nach Ansicht der Analysten bestünden dort jedoch weiterhin große wirtschaftliche und politische Risiken. Sie würden eine weitere Umschuldung daher nicht ausschließen, wobei hiervon auch Anleihen im Besitz des öffentlichen Sektors betroffen sein könnten.
Die Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum seien weiterhin schwach gewesen. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe habe sich kaum verbessert und die Industrieproduktion deutlich nachgegeben. Nach Ansicht der Analysten berge das fehlende Wirtschaftswachstum ein hohes Risiko. Er erschwere die Umsetzung der Vorgaben für den Defizitabbau und könnte weitere Sparmaßnahmen zur Folge haben. Dadurch wiederum könnte das Vertrauen belastet und vielleicht sogar der Widerstand der Bevölkerung hervorgerufen werden.
Der vierteljährliche Tankan Survey, ein Barometer für das Klima in der japanischen Industrie, sei im vierten Quartal deutlich zurückgegangen. Er lasse für das vierte Quartal ein negatives Wachstum erwarten, nachdem das Wachstum im dritten Quartal im Jahresvergleich bei 0,5% gelegen habe.
Die Wahlen in Japan hätten einen unerwartet hohen Sieg für die LDP gebracht, woraus man schließen könnte, dass die politische Situation nicht mehr ganz so festgefahren sei. Shinzo Abe, der Vorsitzende der LDP, wolle die Bank of Japan zu einer geldpolitischen Lockerung bewegen. In Vorwegnahme dieser Maßnahme habe der Japanische Yen nachgegeben. Im Vergleich zum Stand Ende September habe die japanische Währung bereits 8% eingebüßt. Die Analysten seien jedoch nicht davon überzeugt, dass die BoJ dem Drängen des LDP-Vorsitzenden nachgeben werde.
Andere Vorhaben Abes halte man ebenfalls für riskant. Seine nationalistische Ader, die vermutlich höhere Rüstungsausgaben nach sich ziehen werde, könnte die Spannungen mit China verschärfen. Seine Pläne für höhere Infrastrukturausgaben scheinen in einem Land mit einer guten Infrastruktur, einem hohen Haushaltsdefizit und einer enormen Staatsverschuldung beinahe unverantwortlich, so die Analysten von BNP Paribas Investment Partners. Einstweilen würden die Analysten bei japanischen Aktien untergewichtet bleiben. (21.12.2012/ac/a/m)
Die US-Aktienmärkte hätten letzte Woche schwach geschlossen, hätten sich aber erholt, als es Anzeichen für Fortschritte bei der Einigung über eine Lösung für den Schuldenabbau gegeben habe. Die "Cliff" habe das Vertrauen von Verbrauchern und Kleinunternehmern in den USA geschwächt. Der Empire-Einkaufsmanagerindex für die Region New York habe diese Woche eine unerwartete Eintrübung des Geschäftsklimas in der Industrie erkennen lassen. Positiv sei hingegen die Verbesserung des Ausblicks gewesen, die bedeute, dass nach Lösung der Haushaltskrise Hoffnung auf eine Verbesserung bestehe.
Inzwischen gebe es Anzeichen dafür, dass noch in diesem Jahr eine Lösung gefunden werden könnte. Die Führung der Republikaner habe ein höheres Steueraufkommen akzeptiert, das sowohl durch höhere Steuersätze als auch durch niedrigere Steuerfreibeträge erreicht werden solle. Die Demokraten hätten sich mit Kürzungen der Sozialausgaben einverstanden erklärt. Eine Anhebung der Obergrenze für die Staatsverschuldung, die es der Regierung ermöglichen würde, für ein weiteres Jahr Geld aufzunehmen, werde wahrscheinlich ebenfalls in den Kompromiss aufgenommen. Die Hauptlast dieser Maßnahmen werde im kommenden Jahr zu spüren sein. In den darauffolgenden Jahren dürfte es besser aussehen.
In Anbetracht der Fiskalbremse für 2013 werde in den USA im nächsten Jahr nur mit einem bescheidenen Wirtschaftswachstum gerechnet. Ein Wachstumstreiber könnte der Häusermarkt sein. Hier habe sich das Vertrauen der Wohnungsbaugesellschaften verbessert. Die Analysten würden mit einem bescheidenen aber anhaltend positiven Einfluss der Erholung des Häusermarktes auf die Gesamtwirtschaft rechnen. Dieser Sektor sei in den letzten Jahren geschrumpft und mache heute nur noch einen relativ kleinen Teil der amerikanischen Wirtschaftsleistung aus. Die Analysten würden nicht damit rechnen, dass die Verbraucher ihr Immobilienvermögen so belasten würden, wie das vor der Immobilienkrise der Fall gewesen sei.
Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion hätten sich von der durch den Orkan "Sandy" bedingten Schwäche erholt. Allerdings sei das Wachstum in beiden Sektoren nicht besonders kräftig. Es sehe derzeit so aus, als würde das BIP-Wachstum in den USA deutlich niedriger ausfallen als die 2,7% im dritten Quartal (im Vergleich zum Vorquartal auf das Jahr hochgerechnet). Nächstes Jahr könnte sich das Wachstum wieder etwas verbessern, aber wie bereits gesagt, würden positive Entwicklungen aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Fiskalbremse begrenzt werden.
Eine Bankenunion sei wichtig, um eine Trennung zwischen schwachen Regierungen und schwachen Bankensystemen zu erreichen. Außerdem könnte sie dazu beitragen, die Kapitalflucht aus wirtschaftlich schwachen Ländern des Euroraums aufzuhalten. Es gebe allerdings noch weitere wichtige Schritte, die hinausgeschoben worden seien, so z.B. die Einführung einer zentralen Abwicklungsbehörde ("resolution mechanism") für marode Banken oder eine Einlagenversicherung auf Euroraum-Ebene. Diese Schritte seien heikel, da sie bedeuten würden, dass im Krisenfall Geld von starken in schwache Euroraum-Staaten fließe.
Eine Bankenunion würde es ermöglichen, Banken direkt durch den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM zu stabilisieren. In diesem Falle würde die Bankenrettung nicht mehr die Staatsfinanzen belasten. Keine Fortschritte habe es hingegen bei Diskussionen über den zukünftigen Eurozonen-Haushalt und verbindliche Vereinbarungen über Wirtschaftsreformen gegeben. Die Kreditgeber hätten sich jedoch darauf geeinigt, die nächste Tranche des Hilfspakets für Griechenland freizugeben und damit den Weg für eine Rekapitalisierung des griechischen Bankensektors freigemacht. Nach Ansicht der Analysten bestünden dort jedoch weiterhin große wirtschaftliche und politische Risiken. Sie würden eine weitere Umschuldung daher nicht ausschließen, wobei hiervon auch Anleihen im Besitz des öffentlichen Sektors betroffen sein könnten.
Die Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum seien weiterhin schwach gewesen. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe habe sich kaum verbessert und die Industrieproduktion deutlich nachgegeben. Nach Ansicht der Analysten berge das fehlende Wirtschaftswachstum ein hohes Risiko. Er erschwere die Umsetzung der Vorgaben für den Defizitabbau und könnte weitere Sparmaßnahmen zur Folge haben. Dadurch wiederum könnte das Vertrauen belastet und vielleicht sogar der Widerstand der Bevölkerung hervorgerufen werden.
Der vierteljährliche Tankan Survey, ein Barometer für das Klima in der japanischen Industrie, sei im vierten Quartal deutlich zurückgegangen. Er lasse für das vierte Quartal ein negatives Wachstum erwarten, nachdem das Wachstum im dritten Quartal im Jahresvergleich bei 0,5% gelegen habe.
Die Wahlen in Japan hätten einen unerwartet hohen Sieg für die LDP gebracht, woraus man schließen könnte, dass die politische Situation nicht mehr ganz so festgefahren sei. Shinzo Abe, der Vorsitzende der LDP, wolle die Bank of Japan zu einer geldpolitischen Lockerung bewegen. In Vorwegnahme dieser Maßnahme habe der Japanische Yen nachgegeben. Im Vergleich zum Stand Ende September habe die japanische Währung bereits 8% eingebüßt. Die Analysten seien jedoch nicht davon überzeugt, dass die BoJ dem Drängen des LDP-Vorsitzenden nachgeben werde.
Andere Vorhaben Abes halte man ebenfalls für riskant. Seine nationalistische Ader, die vermutlich höhere Rüstungsausgaben nach sich ziehen werde, könnte die Spannungen mit China verschärfen. Seine Pläne für höhere Infrastrukturausgaben scheinen in einem Land mit einer guten Infrastruktur, einem hohen Haushaltsdefizit und einer enormen Staatsverschuldung beinahe unverantwortlich, so die Analysten von BNP Paribas Investment Partners. Einstweilen würden die Analysten bei japanischen Aktien untergewichtet bleiben. (21.12.2012/ac/a/m)
