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Di, 28. April 2026, 7:58 Uhr

US-Anleihen abgerutscht


21.03.03 13:20
Hamburgische LB

Die Kurse der amerikanischen Staatsanleihen haben in den vergangenen Tagen einen rasanten Kursrutsch erlitten, so die Analysten der Hamburgischen Landesbank.

Die Renditen seien ausgehend von historischen Tiefständen kräftig angezogen. Dafür verantwortlich sei die Eskalation des Irak-Konflikts. Zunächst hätten Gerüchte über irakische Überläufer noch die Kriegswahrscheinlichkeit reduziert. Das habe zu einem Abzug von im sicheren Hafen der Staatsanleihen geparkten Kapitals geführt. Das Ende der diplomatischen Bemühungen um eine gemeinsame Position der UNO sowie das Ultimatum von US-Präsident Bush an den Irak, sei dann aber auf einen Krieg hinaus gelaufen, der inzwischen begonnen habe. Die Reaktion der Kapitalmärkte darauf habe auf den ersten Blick paradox zu sein scheinen.

Anstelle einer Flucht der Investoren in Staatsanleihen seien die Aktienkurse nach oben geschossen, während die Treasuries deutlich verloren hätten. Zu erklären sei diese Entwicklung dadurch, dass die Kapitalmärkte einen Krieg bereits fest erwartet hätten. Die Verzögerung des Kriegsbeginns habe allerdings das Verbrauchervertrauen sowie die Konjunkturperspektiven belastet. Das sei auch in den jüngsten Konjunkturdaten wie den schwachen US-Einzelhandelsumsätzen oder dem deutlich zurück gegangenen Verbrauchervertrauen gemessen von der Uni Michigan zum Ausdruck gekommen.

Die Kursgewinne am Aktienmarkt seien daher nicht als zynische Reaktion des Kapitalmarktes zu werten gewesen, sondern vielmehr als Hoffnung darauf zu interpretieren, dass der Krieg sehr bald beendet sein werde. Danach - so die allgemeine Einschätzung - würden sich die Perspektiven für die Weltkonjunktur deutlich verbessern. Diese Einstellung habe auch die US-Notenbank vertreten, die die Leitzinsen nicht geändert habe. In der nächsten Woche werde der Irak das Thema Nr. 1 bleiben.

Eine nachhaltige Erholung für die Staatsanleihen sei nicht zu erwarten. Allenfalls eine zunehmende Angst vor Terroranschlägen könnte auf Wochensicht die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen steigen lassen. Selbst bei einer Atempause am Aktienmarkt gehe man jedoch nicht von einer Erholung der Treasurykurse aus. Konjunkturdaten wie das Verbrauchervertrauen würden zwar bondmarktfreudlich ausfallen, aktuell hohe Verbraucherpreisdaten sowie neue Daten zum hohen Haushaltsdefizit würden allerdings belastend auf die Treasuries wirken.