Rohstoffpreise und Spekulation
24.04.08 12:44
ABN AMRO
Amsterdam (aktiencheck.de AG) - Vielfach werden Spekulanten und das zunehmende Engagement der Finanzinvestoren für die hohen Rohstoffpreise verantwortlich gemacht, berichten die Analysten von ABN AMRO.
Wissenschaftler würden widersprechen. Die Welternährungsorganisation FAO habe Alarm geschlagen. Der starke Anstieg der Nahrungsmittelpreise gefährde weltweit die Ernährung der armen Bevölkerungsschichten. Die Erfolge der letzten Jahre im Kampf gegen den Hunger würden drohen, zunichte gemacht zu werden. Das habe auch politische Folgen. Die Weltbank sehe in 33 Ländern von Mexiko bis Yemen die Gefahr sozialer Unruhen.
Besonders gefährdet seien die auf Nahrungsmittelimporte angewiesenen ärmsten Länder der Erde, z. B. Haiti. In dem Karibikstaat seien die Nahrungsmittelpreise in wenigen Wochen um 50 Prozent gestiegen, was zu Aufständen mit Toten geführt habe. Solche Preisanstiege könnten in Ländern, in denen ein Großteil der Bevölkerung 50 Prozent oder mehr des Einkommens für Nahrungsmittel ausgebe, nicht kompensiert werden.
Besonders dramatisch sei die Entwicklung auf dem Markt für Reis, dem Grundnahrungsmittel für die Hälfte der Weltbevölkerung. Der Weltmarktpreis für Reis habe sich auf Jahressicht fast verdoppelt und stehe seit Monaten auf Rekordniveau. Hintergrund dafür seien schlechte Ernten in einigen wichtigen Anbauländern sowie die ständig zunehmende Nachfrage. Viele Länder in Asien hätten auf die Knappheit am Reismarkt mit Marktregulierungen und Exportbeschränkungen reagiert, was den Weltmarktpreis zusätzlich nach oben getrieben habe. Zudem führe das zu Verzerrungen, da Weltmarktpreis und lokale Preise voneinander abweichen würden.
Jenseits dieser fundamentalen Einflüsse von Angebot und Nachfrage werde die Preisexplosion vielfach auch auf spekulatives Verhalten zurückgeführt. Die philippinische Präsidentin Gloria Arroyo habe Spekulanten, die Reis horten würden, für die Knappheit des Grundnahrungsmittels in ihrem Land verantwortlich gemacht. Viele Händler wollten den staatlich regulierten Preis umgehen und teurer verkaufen. Gloria Arroyo habe eine drastische Sprache gewählt und von "Reisbanditen" und "skrupellosen Händlern" geredet. Das zeige, wie emotional aufgeladen die Lage sei.
Vielen Studien zufolge gebe es keine empirischen Belege dafür, dass durch spekulative Investments Märkte destabilisiert würden. Spekulative Investoren würden in der Regel Preisunterschiede ausnutzen, um Gewinne zu machen. Dadurch würden die Preisunterschiede ausgeglichen und die Märkte effizienter. Finanzinvestoren könnten sich bei Rohstoffen jedoch nur am Terminmarkt engagieren und in Futures investieren.
Die Zunahme an Rohstoffinvestments habe daher Einfluss auf die Preisbildung am Futures-Markt. Im Falle der Agrargüter würden viele Investoren offenbar davon ausgehen, dass die Preise weiter steigen würden. Deshalb würden sie jetzt in Futures investieren. Tatsächlich seien die Finanzinvestoren erst im großen Umfang in den Markt eingestiegen, als die Preise bereits deutlich angezogen hätten. Eine Rückkopplung gebe es aber.
Die hohen Futures-Preise hätten Auswirkungen auf das Verhalten der Marktteilnehmer, indem sie ein Signal dafür geben würden, in eine Ausweitung der Produktion zu investieren oder die Nachfrage einzuschränken. Spekulatives Verhalten trage in diesem Fall zu einem effizienteren Markt bei.
Der direkte Einfluss der Futures-Preise auf die aktuellen Spotpreise sei zudem begrenzt. Kein Verkäufer könne mit Verweis auf die in Zukunft steigenden Preise heute einen höheren Preis verlangen, als es die Wettbewerbssituation hergebe. Prinzipiell möglich sei jedoch eine Arbitrage zwischen zukünftigem und aktuellem Preis. Sollte dies möglich sein, dann könne ein hoher Futures-Preis zu einem Anstieg des Spotpreises führen. Dazu müssten Spekulanten Güter horten, um sie später zu verkaufen. In diesem Fall würde sich das aktuelle Angebot verknappen und der Preis steigen. Bei Rohstoffen sei dies aufgrund der hohen Lagerkosten kaum sinnvoll.
Im Falle der Agrargüter spiele zudem die Verderblichkeit der Ware eine Rolle. Im Agrarsektor dürfte daher der Einfluss des Future-Marktes auf den Kassamarkt begrenzt sein. Die Strategie des Hortens sei darüber hinaus mit einem Risiko verbunden, denn schließlich müssten die Futures-Preise nicht die tatsächliche Preisentwicklung vorwegnehmen.
Es gebe keine eindeutigen empirischen Belege dafür, dass die Finanzinvestoren und der Futures-Markt für den aktuellen Preisanstieg bei den Agrargütern verantwortlich seien. Vielmehr dominiere bei der Preisbildung am Agrarmarkt die aktuelle Angebots- und Nachfragesituation. Die derzeitige Entwicklung komme zudem einigen Regierungen in Schwellenländern, die Landflucht und Slumbildung in Städten verhindern wollten, entgegen. (24.04.2008/ac/a/m)
Wissenschaftler würden widersprechen. Die Welternährungsorganisation FAO habe Alarm geschlagen. Der starke Anstieg der Nahrungsmittelpreise gefährde weltweit die Ernährung der armen Bevölkerungsschichten. Die Erfolge der letzten Jahre im Kampf gegen den Hunger würden drohen, zunichte gemacht zu werden. Das habe auch politische Folgen. Die Weltbank sehe in 33 Ländern von Mexiko bis Yemen die Gefahr sozialer Unruhen.
Besonders gefährdet seien die auf Nahrungsmittelimporte angewiesenen ärmsten Länder der Erde, z. B. Haiti. In dem Karibikstaat seien die Nahrungsmittelpreise in wenigen Wochen um 50 Prozent gestiegen, was zu Aufständen mit Toten geführt habe. Solche Preisanstiege könnten in Ländern, in denen ein Großteil der Bevölkerung 50 Prozent oder mehr des Einkommens für Nahrungsmittel ausgebe, nicht kompensiert werden.
Besonders dramatisch sei die Entwicklung auf dem Markt für Reis, dem Grundnahrungsmittel für die Hälfte der Weltbevölkerung. Der Weltmarktpreis für Reis habe sich auf Jahressicht fast verdoppelt und stehe seit Monaten auf Rekordniveau. Hintergrund dafür seien schlechte Ernten in einigen wichtigen Anbauländern sowie die ständig zunehmende Nachfrage. Viele Länder in Asien hätten auf die Knappheit am Reismarkt mit Marktregulierungen und Exportbeschränkungen reagiert, was den Weltmarktpreis zusätzlich nach oben getrieben habe. Zudem führe das zu Verzerrungen, da Weltmarktpreis und lokale Preise voneinander abweichen würden.
Jenseits dieser fundamentalen Einflüsse von Angebot und Nachfrage werde die Preisexplosion vielfach auch auf spekulatives Verhalten zurückgeführt. Die philippinische Präsidentin Gloria Arroyo habe Spekulanten, die Reis horten würden, für die Knappheit des Grundnahrungsmittels in ihrem Land verantwortlich gemacht. Viele Händler wollten den staatlich regulierten Preis umgehen und teurer verkaufen. Gloria Arroyo habe eine drastische Sprache gewählt und von "Reisbanditen" und "skrupellosen Händlern" geredet. Das zeige, wie emotional aufgeladen die Lage sei.
Die Zunahme an Rohstoffinvestments habe daher Einfluss auf die Preisbildung am Futures-Markt. Im Falle der Agrargüter würden viele Investoren offenbar davon ausgehen, dass die Preise weiter steigen würden. Deshalb würden sie jetzt in Futures investieren. Tatsächlich seien die Finanzinvestoren erst im großen Umfang in den Markt eingestiegen, als die Preise bereits deutlich angezogen hätten. Eine Rückkopplung gebe es aber.
Die hohen Futures-Preise hätten Auswirkungen auf das Verhalten der Marktteilnehmer, indem sie ein Signal dafür geben würden, in eine Ausweitung der Produktion zu investieren oder die Nachfrage einzuschränken. Spekulatives Verhalten trage in diesem Fall zu einem effizienteren Markt bei.
Der direkte Einfluss der Futures-Preise auf die aktuellen Spotpreise sei zudem begrenzt. Kein Verkäufer könne mit Verweis auf die in Zukunft steigenden Preise heute einen höheren Preis verlangen, als es die Wettbewerbssituation hergebe. Prinzipiell möglich sei jedoch eine Arbitrage zwischen zukünftigem und aktuellem Preis. Sollte dies möglich sein, dann könne ein hoher Futures-Preis zu einem Anstieg des Spotpreises führen. Dazu müssten Spekulanten Güter horten, um sie später zu verkaufen. In diesem Fall würde sich das aktuelle Angebot verknappen und der Preis steigen. Bei Rohstoffen sei dies aufgrund der hohen Lagerkosten kaum sinnvoll.
Im Falle der Agrargüter spiele zudem die Verderblichkeit der Ware eine Rolle. Im Agrarsektor dürfte daher der Einfluss des Future-Marktes auf den Kassamarkt begrenzt sein. Die Strategie des Hortens sei darüber hinaus mit einem Risiko verbunden, denn schließlich müssten die Futures-Preise nicht die tatsächliche Preisentwicklung vorwegnehmen.
Es gebe keine eindeutigen empirischen Belege dafür, dass die Finanzinvestoren und der Futures-Markt für den aktuellen Preisanstieg bei den Agrargütern verantwortlich seien. Vielmehr dominiere bei der Preisbildung am Agrarmarkt die aktuelle Angebots- und Nachfragesituation. Die derzeitige Entwicklung komme zudem einigen Regierungen in Schwellenländern, die Landflucht und Slumbildung in Städten verhindern wollten, entgegen. (24.04.2008/ac/a/m)
