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Fr, 17. April 2026, 19:24 Uhr

Renten Gegenwind drängte Anleger in Defensive


14.11.06 11:52
LRP

Mainz (aktiencheck.de AG) - Im ausgehenden dritten und beginnenden vierten Quartal drängte aufkommender Gegenwind die Bondanleger in die Defensive, so die Analysten der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz.

Seitdem aber habe der Oktober vermehrt auch seine sprichwörtlich goldene Seite gezeigt. Innerhalb weniger Tage hätten zehnjährige Treasuries und Bundesanleihen im Zuge schwacher Wirtschaftsdaten aus den USA einen Großteil des zuvor verlorenen Terrains zurück gewonnen. Technisch gesehen stehe damit eine wichtige Entscheidung bevor. Im günstigsten Fall gelinge sogar der Wiedereintritt in den zuvor gebrochenen Trendkanal, der seit der Jahresmitte zu spürbar rückläufigen Renditen geführt habe. Derzeit bewege sich der Markt zunächst beidseits des Atlantiks innerhalb der Renditespannen, die durch die letzte Aufwärtsbewegung vom September gesetzt worden seien (3,65 bis 3,88 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen, 4,55 bis 4,83 Prozent für zehnjährige Treasuries).

Im Spannungsfeld zwischen teils schwächeren Konjunkturzahlen und virulenten Inflationssorgen hätten die Notenbanken in den USA und dem Euroraum bisher eine Andeutung in Richtung Lockerung des geldpolitischen Kurses vermieden. Indikationen für eine moderater wachsende US-Wirtschaft hätten zuletzt das BIP für das dritte Quartal (annualisiert +1,6 nach zuvor +2,6 Prozent) oder der unerwartet schwache ISM-Index für das produzierende Gewerbe (51,2 nach zuvor 52,9 Punkte) geliefert. Die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter ohne Berücksichtigung des Transportsektors hätten im September nur auf dem Niveau des Vormonats stagniert.

Auch in Deutschland seien die September-Daten zu den Neuaufträgen und der Produktion zwar schwächer ausgefallen. Ungeachtet dessen helle sich die Konjunktureinschätzung für Deutschland aber zunehmend auf. So werde beispielsweise heute der wachstumsschmälernde Effekt der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung weniger hoch bewertet als noch zu Jahresbeginn. Für 2008 traue die EU-Kommission dem ehemaligen konjunkturellen Nachzügler im Euroraum sogar mit einem Wachstum von 2 Prozent eine nennenswerte Wiederbeschleunigung zu.

In Bezug auf die USA bilde weiterhin der Arbeitsmarkt eine solide Stütze für die Konjunktur. Neben der inzwischen auf 4,4 Prozent gesunkenen Arbeitslosenquote habe auch die für die Vergangenheit nach oben revidierte Zahl der neu geschaffenen Stellen im jüngsten Arbeitsmarktbericht dazu beigetragen, Zweifel an der konjunkturellen Fitness der USA etwas weniger berechtigt erscheinen zu lassen. Gleichzeitig liege gerade in zunehmender Enge des Arbeitsmarktes das derzeit größte Inflationspotenzial. Jüngste Daten für das dritte Quartal hätten ein starkes Plus bei den Lohnstückkosten (annualisiert +3,8 Prozent) offenbart, dem keinerlei Produktivitätsanstieg gegenüber gestanden habe.

In Summe würden zwar derzeit die reinen Teuerungsdaten und die in den Rentenkursen ablesbaren Inflationserwartungen beruhigende Signale senden. Für die Federal Reserve und die EZB ergebe sich aber aktuell keine Notwendigkeit für eine geldpolitische Kursänderung. Daher würden sich bei Neuanlagen zunächst kürzer- bis mittelfristige Dispositionen anbieten, um verbleibende Risiken aus höherer Lohn- und Konjunkturdynamik mit einer entsprechend höheren Anlageflexibilität zu begegnen. (14.11.2006/ac/a/m)





 
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