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So, 26. April 2026, 1:15 Uhr

Ölpreis steigt wieder


15.05.07 13:01
ABN AMRO

Amsterdam (aktiencheck.de AG) - Der Ölpreis war lange kein Thema mehr an den Finanzmärkten, so die Analysten von ABN AMRO.

Das könnte sich bald wieder ändern. Die Fundamentaldaten würden nach Ansichten von Experten für einen Preisanstieg sprechen. Besondere Gründe, allen voran der ungewöhnlich milde Winter in den USA und in Europa, seien dafür verantwortlich gewesen, dass der Ölpreis bis Mitte Januar unter Druck gestanden habe. Doch diese Sondereinflüsse hätten bereits in den letzten Monaten an Bedeutung verloren. Der Ölpreis habe seit Jahresanfang wieder deutlich zugelegt. Dazu beigetragen hätten nicht zuletzt die von der OPEC beschlossenen und durchgeführten Produktionskürzungen. Allerdings hätten sich auch die Befürchtungen einer deutlichen Abkühlung der Weltkonjunktur nicht bestätigt. Die Nachfrage dürfte daher auf einem hohen Niveau bleiben. Zudem seien in den letzten Wochen immer neue Störungen auf der Angebotsseite aufgetreten. Die Analysten von UniCredit würden daher davon ausgehen, dass sich dadurch dauerhaft der Grad der Anspannung auf dem Ölmarkt wieder erhöhe und dies mittelfristig zu einem Preisanstieg für Rohöl führe.

Die genannten Angebotsstörungen würden zum einen Förderländer mit politischen Risiken wie Nigeria betreffen, wo es erst wieder in jüngster Zeit zu Produktionsausfällen gekommen sei. Zum anderen würden aber auch Faktoren existieren, die dauerhaft zu einem geringeren Ölangebot führen könnten, als bisher zum Beispiel von den Experten der OPEC erwartet. So werde sich der Produktionsstart des Kashagan-Ölfeldes in Kasachstan, des größten Ölfundes der letzten 30 Jahre, auf Ende 2010 verschieben. Darüber hinaus nehme nicht nur die Ölförderung in der Nordsee weiter ab, auch die Produktion Mexikos sinke deutlich. Das Cantarell-Ölfeld im Golf von Mexiko, das zweitgrößte Ölfeld der Welt, habe seinen Zenit überschritten. Dadurch sei 2006 die gesamte Produktion im Golf von Mexiko um 400.000 Barrels pro Tag (bpd) gesunken. Sie dürfte in diesem Jahr weiter zurückgehen.

Durch den Rückgang der Ölproduktion in der Nordsee und im Golf von Mexiko nehme der Anteil der Ölproduktion in politisch stabilen Regionen weiter ab. Damit erhöhe sich das politische Risiko für den Ölpreis. Die Beispiele Russland und Venezuela würden zeigen, dass die Bereitschaft die Verfügungsgewalt über Energieressourcen politisch zu instrumentalisieren zuzunehmen scheine. Darüber hinaus werde die Marktmacht des OPEC-Kartells weiter zunehmen, denn mit dem geplanten Beitritt Angolas zur OPEC würden die Nicht-OPEC-Förderländer ihr wachstumsstärkstes Mitglied verlieren. All diese Faktoren würden die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Risikoaufschlag auf den Ölpreis in Zukunft weiter steige.

Darüber hinaus werde derzeit der Ölpreis durch die Entwicklung auf dem Benzinmarkt nach oben getrieben. Engpässe bei den Raffineriekapazitäten durch Ausfälle verschiedener Produktionsanlagen hätten dazu geführt, dass die Lagerbestände für Benzin in den USA auf langjährige historische Tiefststände gefallen seien. Da zudem in den USA die so genannte Driving Season bevorstehe, also die Zeit erhöhter Benzinnachfrage im Sommerhalbjahr, sei der Benzinpreis in den letzten Wochen deutlich angestiegen. Dadurch sei auch der Preis für Rohöl mit nach oben gezogen worden, obwohl sich die US-Lagerbestände an Öl auf vergleichsweise hohem Niveau befinden würden.

Ein weiterer Faktor, der den Ölpreis im dritten Quartal nach oben treiben könnte, sei ebenfalls nicht zu vergessen: Die Hurrikan-Saison in den USA. Es sei höchst unwahrscheinlich, dass diese nochmals so ruhig verlaufe wie 2006. Damit seien Produktionsausfälle bei den Ölfeldern und den Raffinerien im Golf von Mexiko und im Süden der USA zu befürchten. Unter den genannten Umständen könnte daher in der zweiten Jahreshälfte der Druck auf die OPEC zunehmen, die Produktion wieder zu erhöhen. Gegenwärtig befinde sich die Fördermenge mit 30 Millionen Barrel pro Tag (bpd) auf einem Zweijahrestief. Bevor es aber zu einer Erhöhung der Produktion komme, dürfte die OPEC ein deutliches Sinken der Lagerbestände abwarten. Auch dies sei ein Faktor, der sich preistreibend auswirken könne.

Zusammengefasst lasse sich sagen: Die Ölnachfrage bleibe weltweit auf hohem Niveau. Gleichzeitig würden die bisherigen Prognosen über das Ölangebot vor allem aus den Nicht-Opec-Staaten übertrieben erscheinen. Seit fünf Jahren stagniere die Produktion dieser Ländergruppe, weshalb die Prognose der OPEC für eine Produktionsausweitung um 1,25 Mio. bpd für 2007 aus den oben genannten Gründen zu optimistisch erscheine. Darüber hinaus nehme das politische Risiko für den Ölpreis weiter zu. Auf mittlere Sicht könnten die Anspannung auf dem Markt für Benzin und mögliche Produktionsausfälle durch die Hurrikan-Saison ab August zu einem Anstieg des Ölpreises führen.
(15.05.2007/ac/a/m)





 
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