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Mo, 27. April 2026, 22:26 Uhr

Internationale Rentenmärkte im Fokus


11.08.06 13:56
LRP

Mainz (aktiencheck.de AG) - Im bisherigen Jahresverlauf blieb die Situation auf dem Rentenmarkt überwiegend schwierig, nur der Mai und Juli bescherten jeweils einen sprichwörtlichen Wonnemonat, so die Analysten der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz.

Im Juli habe sich die freundlichere Stimmung vor allem auf zwei Aspekte gestützt: Zum Einen hätten die weltpolitischen Gefahrenherde die Schlagzeilen beherrscht und zu einem risikoscheueren Anlageverhalten beigetragen. Zum Zweiten hätten diverse Konjunkturzahlen aus den USA verstärkt auf Wachstumsrisiken hingedeutet, so dass die Renditerückgänge auch eine fundamentale Untermauerung erfahren hätten.

In dieser Gemütslage habe die zuvor mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartete Zinspause der US-Notenbank entgegen dem historischen Muster aus den Jahren 1995 und 2000 bisher keinen Befreiungsschlag bewirkt. Im Gegenteil würden die Notenbanken beidseits des Atlantiks weiterhin auf künftige Risiken für die Preisstabilität hinweisen. Dass ein geldpolitischer Kurs zudem auch unerwartet Richtungsänderungen unterworfen sein könne, zeige nicht zuletzt die Wiederaufnahme der Zinserhöhungen durch die Bank von England.

Konjunkturell präsentiere sich das Bild, das die weltgrößte Volkswirtschaft derzeit biete, noch recht unscharf. Die Daten würden erkennbar eine Abschwächung im Immobiliensektor zeigen, und auch der Arbeitsmarkt habe zuletzt wiederum die Erwartungen nicht erfüllen können. Auf der anderen Seite sei der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe überraschend angestiegen und möge sich damit noch nicht in das schwächere Gesamtbild einfügen. Unter dem Strich jedoch sei für die US-Wirtschaft künftig mit einiger Wahrscheinlichkeit von abgeschwächten Expansionsraten auszugehen.

Die entsprechende Unterstützung für die Anlage in Festverzinslichen bleibe jedoch vermutlich begrenzt, solange sich nicht abzeichne, dass die Inflationsgefahren künftig auch ohne Fortführung des geldpolitischen Straffungskurses unter Kontrolle bleiben würden. In diesem Punkt würden jüngste US-Daten zu den Lohnstückkosten (+4,2 nach +1,6 Prozent) und zur Produktivität (+1,1 nach +3,7 Prozent) im zweiten Quartal nachdenklich stimmen. In dem Lohnsteigerungstrend (vor allem im Dienstleistungssektor) könnten sich nicht zuletzt als Zeichen der Enge in manchen Bereichen des Arbeitsmarktes bereits gewisse Zweitrundeneffekte aus den hohen Rohstoff-, Benzin- und Energiepreisen zeigen.

In Europa werde mehrheitlich mit bis zu zwei weiteren Satzanhebungen gerechnet, doch dieser Kurs sei seitens der Notenbank stark an die konjunkturelle Entwicklung gekoppelt. Mit einem Abschwung in den USA würde sich vermutlich das Zeitfenster für eine weitere geldpolitische Straffung in Euroland einengen, doch die EZB signalisiere ebenso wie die FED trotz zuletzt moderater Entwicklung der Teuerungserwartungen am Markt weiter Wachsamkeit gegenüber potenziellen Inflationsgefahren.

Dennoch hätten sich die Renditen im Zehnjahresbereich im Vergleich zu den Juni-Hochs um rund Basispunkte auf aktuell gut 3,9 (Euroland) bzw. 4,9 Prozent (USA) ermäßigt. Solange sich die mittelfristigen Risiken für die Preisstabilität nicht abgebaut hätten, bleibe das erreichte Niveau anfällig für Korrekturen, so dass sich zunächst ein Festhalten an der im bisherigen Jahresverlauf bewährten Strategie der Bevorzugung kürzerer Laufzeiten anbiete. (11.08.2006/ac/a/m)




 
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